Schulliteratur

In vier Jahren Internat Langeoog gingen diverse Lernmittel in Gestalt von Lehrbüchern, Broschüren und Heften durch meine Hände und durch meinen unterschiedlich geneigten Sinn. Manche schafften es, meine Gunst zu gewinnen und konstruktiv zwischen dem jeweiligen Lernstoff und mir zu vermitteln, manche waren derart sperrig und / oder trocken konzipiert, daß sie mir das jeweilige Fach nur noch unattraktiver machten, andere wiederum dienten fernab jeglicher Auseinandersetzung mit ihren Inhalten und ihrem Anspruch lediglich als Kritzelblock während des Unterrichts.

Hier nun einmal ein paar prominente Beispiele jener Literatur, die mich 1984-88 während der Oberstufe begleitete:

Die "Vektorielle analytische Geometrie" von Hans Honsberg war unser erstes Mathe-Lehrbuch als Internatsschüler und dasjenige Schulbuch, mit dem Hans und ich uns in der Jahrgangsstufe 11 bei Herrn Guthmann am häufigsten und lebhaftesten auseinandersetzten.

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Im Jahre 1986 hatte ich eine kurze Phase, in der ich begeistert Italienisch lernte, was auf dem Titelblatt unseres dritten Mathe-Lehrbuchs, "Analysis 2", fächerübergreifenden Niederschlag fand. 

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"Komplexe Zahlen", unser viertes und finales Mathematikunterrichtswerk (1986/87). ... Während entsprechender Stoff als Gegenstand meiner mündlichen Abiturprüfung noch die entscheidende Schiffsbruchklippe im Abi '87 darstellte, durfte ich im Folgejahr während der alternativen Abi-Vorbereitungen bei Guthmann gewahr werden, daß man in der gymnasialen Oberstufe an sich mit kaum einem simpleren Thema konfrontiert werden konnte.

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Wie die meisten ersten Bücher des jeweiligen Faches in der prägenden und richtungweisenden Klasse 11 wird mir auch unser erstes Englischbuch, "Past and future", immer in Erinnerung bleiben, besonders dessen erster Text mit dem damals assoziationsfreudigen Titel: "From the cradle to the Olympics".

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Geschichtsunterricht habe ich wohl nie so zäh, blutleer und lernmotivationsfrei erlebt bzw. erlitten wie den auf diesem Werk aufbauenden in Klasse 11 (1984/85), mit knisterndtrockenen Quellentexten von A. Heuß, F. Hampl, J. Vogt et al.. Mein Respekt vor diesem hochwirksamen Sedativum war schließlich derart gering, daß ich es eines Tages im laufenden Unterricht bei Herrn Horb kurzerhand in einzelne Seiten riß und mit diesen als imaginären Spielkarten mit Oliver eine Skatrunde simulierte, bis wir verständlicherweise subsequent des Raumes verwiesen wurden.

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Eine weitere Buchwerdung meines schulischen Mißvergnügens stellte unser Deutschbuch mit dem Titel "Schreibweisen" dar. Immerhin - wenngleich es auch nie Gegenstand von Herrn Wierzenkos Unterricht war - beinhaltete es Morgensterns denkwürdiges Gedicht "Das große Lalula" (Stich-'Wörter': "Bifzi, bafzi", "Kroklokwafzi"), das bei Hans und mir für temporäres Amusement sorgte und in der Zeit vor unserer "Großen Revolution" der Flamme des von uns im Internatsdasein diagnostizierten "Schwachsinns" zusätzlich Sauerstoff zufächelte.

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Auch mit den bundespostgelben "Reclam"-Heftlein, die Herr Wierzenko gerne mal als Unterrichtslektüre verordnete, konnte ich mich nie anfreunden, und jedesmal geriet ich von vornherein in einen unvorteilhaften Leserückstand, den es schließlich wenigstens bis zur entsprechenden Klausur aufzuholen galt. Neben "Emilia Galotti" behandelten wir mindestens noch "Iphigenie auf Tauris" und das ob seiner Begleitstories schon fast legendäre "Effi Briest".