"Die Hauspost" (1985/86)

Die "Hauspost" war ein "Informationsblatt für die Oberstufe". Dieses umfaßte insgesamt 35 Ausgaben (incl. einer Sonderausgabe) und wurde von Ende April 1985 bis Juni 1986 vom damaligen Erzieher des unteren Flurs, Herrn Dr. Aribert Lamperstorfer sowie den Schülern Nadja Rebentisch und Andreas Riedel herausgegeben.

Im eigentlich wöchentlich erscheinenden Blatt (meist eine DinA4-Seite) wurde der beflissene Internatsschüler über Bekanntmachungen aller Art informiert: anstehende Geburtstage, Neuzugänge, Veranstaltungen im Meeting, wer wann "Chef vom Dienst" zu sein hatte, wer aufgrund "besonderer Anlässe" "Hof- und Revierreinigung" zu leisten hatte, Ferientermine, Ergebnisse von Schachturnieren und und und.

Hier nun die komplette Sammlung, die lange Jahre irgendwo zwischen meinen anderen Papierkram-Sedimenten schlummerte. Die langsam in Würde verblassenden Seiten bergen jede Menge längst vergessener Fakten und besitzen wohl soviel 'Internatskolorit', daß die Lektüre sicher auch für Leute interessant ist, die nicht im Erscheinungszeitraum Internatsschüler waren ...

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Anmerkungen:

Nachdem "Larry" (Ulrich Reiff) 1985 die Insel gen Berlin verlassen hatte, wurden Aktivitäten unternommen, das "Meeting Center" zu renovieren und neu zu gestalten, was dann auch schließlich in den folgenden Monaten getan wurde. ... Mir persönlich gefiel Larrys Meeting mit der schummrig-heimeligen Atmosphäre und den Netzen an der Decke eindeutig besser als das etwas sehr Weiß in Weiß aufpoliert erscheinende Ergebnis der Renovierung, ohne das Engagement und die Arbeitsleistung der Beteiligten dabei schmälern zu wollen.

Anmerkungen:

Zum Thema Baderegeln fällt mir der 14. Mai 1985 ein, als Hans, Marc und ich selbige geflissentlich außer Acht ließen und auf einem vorgelagerten Strandstreifen hinter einer Priel-Bucht eine Sandburg gegen die Flut bauten. Es kam natürlich, wie's kommen mußte: Wir wurden vom steigenden Wasser eingekesselt und waren schließlich doch ein ganz schönes Stück von der aktuellen Strandlinie entfernt. Trotzdem hielten wir die Stellung, bis schließlich drüben ein Strandwärter auftauchte und uns rufend und hupend signalisierte, schleunigst an Land zu kommen ... Inzwischen hatte sich auch bereits ein Grüppchen Gaffer versammelt. Der Autorität folgend wateten wir also durch das z.T. hüfthohe Wasser zum Strand zurück, bei doch deutlich spürbarer Strömung. Drüben angelangt erwarteten uns dann ein paar dumme Sprüche der eigentlich doch auf ihre Kosten gekommenen Gaffer und die 'freundlichen' Worte des Strandwärters, der uns mitteilte, es wäre schon fast ein Seenotrettungsboot (!!) eingesetzt worden. Hm ... so wild fand ich's nicht; der Spaß war jedenfalls auf unserer Seite.

Anmerkungen:

Die gute Frau Lisson war die letzte 'offizielle' Bewohnerin des Internatsgebäudes (im hinteren Teil des Krankenstationsflügels, wo sie Hans und mich eines Abends im Februar 1989 beim Einsteigen erwischte ... ). Zusammen mit Herrn Eser (der übrigens nach wie vor auf der Insel wohnt) hatte sie damals noch die Aufsicht im ansonsten verlassenen Gebäude. Viele werden sich an ihr wachküssendes, wenn auch mit der Routine leicht abgeschliffen-stereotypes "Guten Morgen, Zeit zum Aufstehen!!" erinnern, das sie auf der ersten ihrer beiden Weckrunden dem um diese frühe Stunde (ca. 6:45 Uhr / 7:00 Uhr) oft noch schlaftrunkenen Internatsschüler entgegenschmetterte. ... Bei der zweiten Weckrunde wurde ihr Ton dann schon energischer, wenn man immer noch in den Kissen lag. Jemand soll sich sogar mal so unsanft geweckt gefühlt haben, daß er einen Schuh nach ihr warf! ... Hans und ich waren da deutlich friedlicher und sabotierten die Reibungslosigkeit des Weckvorgangs 1986/87 lediglich durch doppeltes Abschließen der Zimmertür und das Halbherausdrehen der Glühbirne ... Friedlich schlummernden Menschen einfach das Licht anzuknipsen, ist schon ein wenig ... brutal! Auch wenn das halt nur ihr 'verdammter Job' war.

Anmerkungen:

Ich war seinerzeit begeisterter Cola-Dosen-Sammler, mit "Elvis" (Detlef Naber) als fleißigstem Spender. In die Pfingstferien '85 nahm ich ca. 80 leere Dosen mit nach Hause.  ... Hallo?!

Anmerkungen:

Eine 'sofortige Beurlaubung', wie unter Punkt 4 erwähnt, wurde mir selbst drei Jahre später zuteil, als ich zusammen mit dem "Lächler" (Frank Klußmann) unserem Mitschüler Martin Gaißer einen bösen Streich spielte ... Nach einer von Frau Noltus eskortierten Audienz bei Herrn Guthmann ging es für mich dann für zwei Wochen - bis zum mündlichen Abitur - in die Verbannung ans Festland.

Anmerkungen:

Zu Punkt 2.b) - "Zimmer besenrein hinterlassen" hatte Oliver so interpretiert: Klar, Besen rein und hinterlassen!

Anmerkungen:

Ja, mit Manda ging ein fester Bestandteil des Internatslebens ... Ihr stark akzenthaltiges und ebenso liebenswertes "Heute bißchen saugen!" habe ich noch im Ohr. ... Andreas wird ihr bestimmt nachsehen, daß sie damals seine Hauskreuzspinne "Wahnfried", die sich zwischen den Doppelfenstern seines Zimmers (zu dem Zeitpunkt Nr. 50, unterer Flur) eingenistet hatte, in raumpflegerischer Pflichterfüllung dahinraffen mußte ...

Anmerkungen:

Olaf hatte in seinem (nach - doch recht - spektakulärem Abgang seines Zimmergenossen Volker Lüders, der wohl Erzieher Lamperstorfer im Disput 'Eine gelangt' hatte) Einzelzimmer zwei verschiedene Teppichböden, einen schwarzen an der Tür sowie einen weißen im Hauptbereich zu den Fenstern hin, und dazu eine einfache Regel: Den schwarzen Bereich durfte man noch mit Schuhen betreten, den weißen NUR ohne. ...

Erzieher Dr. Lamperstorfer hatte am Türrahmen jedes Zimmers des unteren Flures einen kleinen Aufkleber mit den Belegungsnamen der jeweiligen Bewohner angebracht ... Der eine oder andere war übrigens noch bis zum Ruinenbrand 2009 zu sehen. ... Nachdem der Aufkleber des Zimmers 46 z.T. abgeknibbelt worden war, konnte man auf ihm lediglich noch lesen: " immer 46      del Pokérn".

Anmerkungen:

Der erwähnte "Internatssender", der sporadisch und nur sehr, sehr kurz on air war, wurde von Detlef "Elvis" Naber ins Leben gerufen … oder wiederbelebt?. Inoffiziell hieß er - aus welchen Gründen auch immer - "Radio Teheran" und ging bereits 1984 versuchsweise auf Sendung. U.a. wurden die aktuellen Bierpreise bei Feinkost Eckart durchgegeben ... oder sollten es zumindest werden.

Der dieswöchige "Witz der Woche" ist übrigens mein persönlicher Favorit. ...

Anmerkungen:

Zum Unterpunkt 3 von "Verordnung": Das war wohl der Grund, weshalb man der Rauchergemeinde 1985 jenes hölzerne Rundhäuschen auf dem Gelände vor dem Realschuleingang errichtete. ... Marc Widdel war übrigens mal auf dessen Dach geklettert, und ich erinnere mich, daß dies rein alkoholmotiviert war ...

Von "König Ubu" habe ich keinen Schimmer. Das ist aber keine Gedächtnislücke, sondern - pflichtvergessen, wie ich an jenem Tag offensichtlich war - bestenfalls eine Bildungslücke.

Anmerkungen:

Bzgl. 'Putzfee' Margarethe Puls: Wenn ich mich nicht sehr irre, war sie nur recht kurze Zeit die kleinste Putzkolonne der Welt im Internat. ... Jedenfalls scheint sie das 'missing link' zwischen Manda und Julka gewesen zu sein.

Anmerkungen:

Zu Punkt 1 ("Das neue Meeting"): ... Wohl ein weiterer, wenn auch eher winziger Schritt in Richtung Internatspleite 1988??

Anmerkungen:

Ja, ja ... Der unvergessene Nikolausabend 1985 mit "Lampe" als Nikolaus und Karlchen Lange als Knecht Ruprecht!! ... Der Nikolaus hatte zu jedem Schüler ein paar mehr oder weniger satirische Zeilen verfaßt, die er nun im geselligen Kreise vortrug. Da blieb so manchem die Spucke weg. Z.B. 'unterstellte' Dr. Lamperstorfer dem 13er-Schüler G.K., in seinem Zimmerschrank Mädchen zu verstecken ... 'natürlich zu rein wissenschaftlichen Zwecken'. Daraufhin verließ G.K. mit hochrotem Kopf den Raum[Quelle: S. Witter]. Außerdem war jemand ob Lampes Ausführungen zu seiner Person recht beleidigt ... Ich glaube, es war Joe Seibel.

Anmerkungen:

Die abendlichen Theaterfahrten nach Wilhelmshaven fanden in - wie ich annehme - mehr oder weniger regelmäßigen Abständen statt. Neben Herrn Lehmann (oder auch nur nach dessen Schulabgang 1986) begleitete Herr Wierzenko die freiwillig oder 'pflichtbedingt' kunstbeflissene Schülerfraktion. ... Ich selbst war nie mit dabei. ... Mein aufrichtiges, wenn auch extrem verspätetes 'Sorry!' dafür geht an Herrn Wierzenko.

Anmerkungen:

... Kleiner Tippfehler: Thies Kruse natürlich.

Anmerkungen:

Auch ich war Teilnehmer bei ein, zwei von Dr. Lamperstorfer initiierten Schachturnieren ... Bei diesem hier hatte ich nun leider das 'Pech', als zweimaligem Gegner in der Vorrunde eben auch Lampe selbst gegenüberzusitzen und flog vorzeitig raus. Auf meine Züge hin murmelte er zwar häufiger "Nicht schlecht, Herr Specht!!", ändern tat es am Ausgang der Partien jedoch nix.

Anmerkungen:

Zum Punkt 4: Ich selbst habe noch eine Bratpfanne aus der Internatszeit!! ... Sie ging aber erst frühestens Herbst 1986 in meinen 'Besitz' über und wurde dann bis Juni 1988 benutzt, um  mir - eigentlich unerlaubterweise - in meinen eigenen vier Wänden per Kochplatte meine beiden damaligen, göbelabseitigen Hauptnahrungsmittel zu erhitzen: Dosen-Nasi-Goreng (von "Suzi Wan" und "Sonnen Bassermann") sowie Cevapcici ("Buss") vom Aldi.

Anmerkungen:

Zum Thema Sekt: Dr. Lamperstorfer hatte es eingeführt, Geburtstagskindern eine Flasche Sekt der Marke "Bernard Massard" zu überreichen, was ich einen sehr netten Brauch fand. Außerdem gewährte er Hans und mir jeden Freitag Abend einen "Generaldispens zur Abhaltung eines Herrenabends" (also Sektabends, obwohl Alkohol in den Zimmern ja de jure nicht erlaubt war). Bedingung seinerseits war nur, daß er selbst auch ein Gläschen mittrinken durfte. ... Sehr nett, wie ich finde. Oliver mochte unseren 'Major' ja nicht so gerne, aber 'Suum cuique.', wie ich als 'Latein-Zurückgebiebener' sagen würde.

Anmerkungen:

Zum Witz der Woche: Ich vermute, es sollte "zum Lesen" heißen, verstehe den Witz aber eventuell auch nicht und mag mich irren. ... Andererseits: Unter der Vorgabe "zum Essen" würde der Witz zum kompletten Lacherfolg!  ... Und wenn ich da an Marcs Umgang mit "Effi Briest" denke, ist die Wortwahl vielleicht ja doch nicht ganz so abwegig!!

Mit Ablauf des Schuljahres 1985/86 beendete Dr. Lamperstorfer seine Erziehertätigkeit im Internat und die "Hauspost" wurde damit eingestellt.