Museum

Pleiten, Pech und Flammen machten aus unserem Internat ein Ruinenungeheuer, welches mit der Zermörserung seiner steinernen Überreste Anfang Sommer 2010 endgültig aus dem Langeooger Inselbild verschwand. 

In dieser 'virtuellen Vitrine' nun möchte ich einmal nach und nach all meine wesentlichen zeitgenössischen Relikte und späteren Fundstücke präsentieren, die ich der tastbaren Erinnerung an vier Jahre Internatsleben erhalten habe.

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Bei diesen beiden ersten ... Exponaten handelt es sich um zwei - allerhöchstwahrscheinlich während der Internatsära - beinverkürzte Holzstühle, die durchaus noch zum Ursprungsmobiliar der Kommandantur gehört haben können, wobei ich darüberhinaus vermuten mag, daß sie oder entsprechende andere, gleichfalls tiefergelegte Sitzmöbel bis spätestens 1985 noch im "Meeting-Center" ihren gesäßstützenden Dienst taten.

Der erste Stuhl zierte 1986/87 Hans' und mein Zimmer, ist inzwischen etwas wurmstichig und potentieller Kaminholzkandidat, der zweite wohlfühloptimierte 1987/88 mein letztes Internats(einzel)zimmer und dekoriert auch heute noch mein festländisches Wohngemach.

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Drei Türklinken-Souvenirs aus der Oberstufe: Während die Zimmertürklinken im unteren Flur aus Metall waren, bestanden diejenigen im oberen Flur aus schwarzem Kunststoff. Die konkrete Metallklinke im Bild dürfte von meiner ersten Internatszimmertür (Nr. 43 unten) stammen ... jedenfalls nahm ich sie 2008/09 aus dem entsprechenden Ruinenzimmer mit ... die Kunststoffklinke (allerhöchstwahrscheinlich von Zi. 43 oben) stellte ich möglicherweise bereits bei meinem Internatsabschied 1988 sicher und die dazu passende Klinkenverkleidung (ebenfalls aus Nr. 43 oben) kam 2008/09 dazu.

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Glasscherbe aus einem der drei Fenster des Waschraums im 'Noltus-Flur' (oberer Oberstufenflur im Ostflügel), die nach außen sichtblendend mit einer stilisiert florale Motive zeigenden Folie beklebt waren.

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Drei Waschraum-Kachelfragmente verschiedener Bergungstopo- sowie -chronographie: 

Als ich Anfang August 2009 das Assoziationen mit Bombenschäden während des Zweiten Weltkriegs schaffende Trümmerfeld der Internatsbrandruine überschritt, griff ich angesichts des reichhaltigen Angebots an 'Rettet Mich!'-Souvenirs kurz zu und brachte u.a. den Brocken rechts im Bild vor der sich anbahnenden 'Pulverisierung' in Sicherheit. Aufgrund seines Fundorts (Mittelbau am Ostflügelwinkel) und meiner Kenntnis der entsprechenden Gegebenheiten stammt er allerhöchstwahrscheinlich aus dem Waschraum / Bad des Störtebekers (OG Mittelbau).

Die beiden Absprengsel links stammen definitiv-konkret aus dem Waschraum des oberen Oberstufenflurs (OG Ostflügel) der Gruppe Noltus und wurden von mir noch im Jahr vor dem großen Brand 'abgebaut', sozusagen im Rahmen einer gewissen Mauer- bzw. besser 'Waschbeckenspechterei'.

Diese farblich an eine mit Sahne angereicherte Erbsencrèmesuppe erinnernde Kachel-Auskleidung gab es übrigens ausschließlich in den Waschräumen des Internatsobergeschosses. Unten wurden v.a. blaßgelb-beige oder hellblaue Kacheln verwandt.

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Hier drei Relikte des Internatsmauerwerks:

Bild oben: Ein kompletter Ziegel (Gewicht: 2,2kg), freundlicherweise von Herrn Kremer von den "Langeoog News" vor der allgemeinen Zermörserung (Anfang Sommer 2010) in Sicherheit gebracht.

Bild unten: Zwei Ziegelfragmente, die ich nach dem Brand, im August 2009 dem großen Trümmerfeld im Übergang vom Mitteltrakt zum Ostflügel entnahm.

Ob es sich beim Mauerwerk des Internats um einfache Ziegel (Backsteine) oder den bei höheren Temperaturen gebrannten und widerstandsfähigeren Klinker handelt, vermag ich als Laie nicht zu beurteilen. ... Ich erinnere mich jedenfalls, daß es nach dem Internatsgroßbrand hieß, die Ziegel seien durch das Feuer zur Wegepflasterung unbrauchbar geworden, weshalb sie schließlich nur noch - in zerkleinerter Form eben - als Ausbesserungsschotter der Störtebekerstraße (durchs Wäldchen zum Hafen) weiterverwendet werden konnten.

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Doch nicht nur Ziegelfragmente findet man an jenem 'Wegesrand der Geschichte', auch verschiedene andere schottertaugliche Fragmente mit höchstwahrscheinlicher Internatsherkunft:

Rotbraune Fliesen, wie in den beiden oberen Bruchstücken erkennbar, kleideten (vornehmlich) Waschraum- und WC-Böden im Obergeschoß des Hauptinternats aus.

Offensichtlich auch dieses schwere Rohrverbindungsstück aus vermutlich Messing wurde vom Bauschuttzerkleinerer ausgespuckt. ... Ob es nun tatsächlich ein Internatsgebäuderelikt ist, läßt sich - ebenso wie bei den Schotterbestandteilen - natürlich nicht (mehr) beweisen, die Wahrscheinlichkeit ist jedoch sehr groß.

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Ein unerläßliches Hilfsmittel zu unserer allgemeinen Geduldsfestigung auf Langeoog war mein Abreißkalender, von dem jeden Abend als quasi letztem Akt des nunmehr bewältigten Internatstages ein Blatt gerissen wurde. Wir nannten diese Zeremonie "den Tag reißen". ... Auf diesem konkreten Kalender blieb die Zeit am 30. Dezember 1988 stehen, während ich als inzwischen festländischer "ZDL" bereits fünf Monate meines 20-monatigen Zivildienstes (damals gerne auch "Zuvieldienst" genannt) absolviert hatte.

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Meine treue Kochplatte (Hinterlassenschaft von Unbekannt), auf der wir 1987/88 in den internatsheimischen vier Wänden etliche Nasi-Goreng-Pfannen brutzelten und Fertiggerichte im Wasserbade erhitzten. ... Eigentlich war derlei stromversorgte Privatküchenwirtschaft im Internat offiziell ja nicht gestattet, geduldet jedenfalls wurde sie.

Als Relikt der liebgewonnenen und durchaus sentimental vermißten Langeooger Lebensart war sie auch noch in der Folgezeit meines Internatsabschieds im Einsatz.

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Das mir verbliebene Stück eines größeren Tapetenabrisses aus dem letzten Zimmer am Kopfende des Ostflügels (OG), zu meiner Zeit und möglicherweise bereits seit 1970 zur Noltus'schen Wohnung gehörig.

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Durst konnte auf Langeoog ganz unterschiedlicher Natur sein. - Diese beiden Zeitzeugen beziehen sich dabei auf die flüssigen Nahrungs- bzw. Bespaßungsmittel:

Bild 01: Aus diesem (Zahnputz-)Becher becherte ich ... im buchstäblichen Sinne ... während meines letzten Internatsjahres und zum jeweils (gefühlt) gegebenen Anlaß vor allem mein Lieblingsalkoholikum der Zeit, Wein. So auch an meinem allerletzten Tag als Internatsschüler im Vorfeld der Abi-Feier. - Da wir hier ja unter uns sind , kann ich an dieser Stelle einmal zugeben, daß ich bis auf den heutigen Tag Wein im privaten, etikettebefreiten Rahmen immer noch gerne aus derartigen Bechern zu mir nehme.

Bild 02: Hinterlassenschaft einer Post-Internatszeitübernachtung meinerseits in meinem alten Zimmer 1988 oder '89, welche ich zwanzig Jahre später schließlich wieder mitnahm: Müllermilch war bereits während der Internatsjahre eines meiner beliebtesten Getränke ohne Alkoholhintergrund.

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1986 kaufte ich Pilch für DM10.- seinen Bademantel ab, in dem ich im Verlauf bis 1987 womöglich mindestens zweimal zur Schule bzw. zum Unterricht erschien (z.B. bei Herrn Lange), ihn hin und wieder auf den "Klassischen" trug und auch im zimmeriellen Gefüge freizeitlich genau dann gern überwarf, wenn Ernsthaftigkeit zum Scherz wurde. ... Er war in gewissem Sinne wohl demonstrative Narrenkappe oder besser gesagt Signal der dezenten Demonstration der Notwendigkeit, den vorgegebenen 'Bierernst' des Internatstaktes temporär aufzulösen und jenem Takt aus der Reihe zu tanzen. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie Herr Guthmann mich eines badebemantelten Tages im Gymnasium äußerst kritisch in Augenschein nahm, ohne allerdings ein Wort zu äußern. ... Leider ist mir vom guten Stück nur der Gürtel geblieben, an dem ich mich - ausdrücklichst scherzhaft (!!) - einst aufzuhängen gedachte.   

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Ein wenig aus der Reihe tanzend, aber trotzdem: Diesen Damenschuh der Größe Viereinhalb entdeckte ich Ende Januar 2009 auf dem Holzfußboden im ehemaligen "Meeting", wobei er wie bewußt dort plaziert wirkte. Ob er irgendeinen (auch nur periphären) Internatshintergrund hat, vermag ich nicht zu sagen; er paßte jedenfalls erhaltungszustandsmäßig zum gammelnden Inventar ringsum. ... Seltsam, daß er mir während meiner drei 2008er Ruinenvisiten an so exponierter Stelle überhaupt nicht aufgefallen war.   

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(Fortsetzung folgt.)