Diverses '86

Als bequeme Geldquelle / bequemes Gelddepot nutzte ich zwei Jahre lang, Januar 1985 bis Dezember 1986, das unaufregende, seinerzeitige Postsparbuch. Vor allen Dingen, wenn unmittelbar bevorstehende Heimfahrten auf dem Programm standen, kam es zu den entsprechenden Zweckvisiten des (1985 oder 86 umgebauten) Postamtes in der Kirchstraße. Da auch Hans Postsparbuchbesitzer war, zweigten wir oft gemeinsam die jeweils benötigte Kohle an einem der anfangs zwei, später nach dem Umbau drei Schalter ab ... unter Vorzeigen der zugehörigen Papierkarte, lange bevor die englische Bezeichnung "Card" Einzug in die deutsche Sprachselbstverständlichkeit hielt.

Einer der Schalterbeamten war immer besonders akkurat, ließ sich die ihn verpflichtend 'nötige' Zeit und schrieb seinen Unterschriftsnamen sauber komplett aus, während andere schlicht ihren geschwungen-hieroglyphigen 'Friedrich Wilhelm' eintrugen. ... Unsere Entzifferung der Signatur machte aus ihm einen Herrn Dackenhaus, dessen Auszahlungsprozedur uns immer dann leicht nervös-ungeduldig machte, wenn es subsequent noch eine Fahrkartenlösung zu tätigen und den Zug zum Anleger zu erwischen galt.

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Das letzte Blatt meines sog. "Verfügungskontos", welches als Heimleiter im unteren Flur der Oberstufe 1985/86 Dr. Lamperstorfer verwaltete:

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Seite aus einem meiner Mathehefte (Session vom 12.09.'86):

Manche Beweisführung mathematischer Postulate nahm durchaus mal bizarre Formen an und überstieg - in Kenntnis der mangelnden Nachvollziehbarkeit für uns Schüler - das eine oder andere Mal die Erläuterungsbereitschaft sowohl Herrn Guthmanns als später auch Herrn Ahlvers'. Herr Guthmann sagte dann z.B.: 'Das müssen Sie mir jetzt einfach glauben.' oder 'Das lasse ich jetzt mal vom Himmel fallen.' Als Inspiration durch letzteren Satz ist meine Anmerkung "Himmelfallstheorie" zu verstehen, die ich neben die übernommenen Ausführungen des Herrn Ahlvers schrieb.

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Ein - aus späterer Sicht unverständlicher - Beurlaubungsantrag für eine simple Wochenendheimfahrt. Sonst sind wir - je nach Bedarf - völlig absegnungsfrei und problemlos ins Wochenende ans Festland gefahren, manchmal - wenn es pressierte - sogar schon freitags, unter Ignorierung des Samstagsunterrichtes.

Die Notiz von Herrn Guthmann ist mir rätselhaft ...

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Herr Helmer war ab 1986 als sog. "Oberstufenkoordinator" auch für die Bekanntmachungen am 'Schwarzen Brett' des Gymnasiums zuständig. Diese sahen beispielsweise so aus (Original!):

Im Schuljahr 1986/87 meinte es mein Stundenplan samstags alles andere als gut mit mir: Nach drei Freistunden folgten Erdkunde (Helmer), Werte und Normen (Horb) und Deutsch (Wierzenko). Das war nun insofern 'tragisch', als daß ich gerne mal mit der 11-Uhr-Fähre zu einer Wochenendheimfahrt ausholte und ich mir dann jedesmal drei satte Fehlstunden einhandelte. Ich weiß nicht mehr, wie Hans' Stundenplan aussah, jedenfalls war auch - und besonders - er leidenschaftlicher, wenn auch, wie ich, nicht selten durch schulische Zwänge bedingt verhinderter Wochenendfahrer. Im November 1986 hatten wir dann eine Idee, wie wir es bewerkstelligen konnten, einmal 'schulkonform' und 'fehlstundenfrei' wochenends in die Heimat zu reisen: Wir liehen uns von unserem vormaligen Zimmernachbarn Olaf dessen Schreibmaschine aus und tippten im Stil der Helmer'schen Bekanntmachungen eine fingierte Stundenplanänderung, mit der wir die sperrigen Stunden kurzerhand ausfallen ließen. Herrn Helmers Signatur war dazu leicht zu imitieren, ohne daß es bei oberflächlicher Betrachtung gleich auffiel. Den Zettel pinnten wir dann ans 'Schwarze Brett' und fuhren ganz entspannt am darauffolgenden Wochenende vorzeitig ans Festland.

 

Da wir durchaus Spaß daran hatten, 'Oberstufenkoordinatoren für einen Abend' zu sein, tippten wir dazu auch folgende zwei 'Bekanntmachungen', um noch etwas zusätzliche, jetzt beabsichtigte Verwirrung zu stiften:

Hans glaubt sich zu erinnern, daß sich tatsächlich immerhin ein oder zwei Kandidaten (Carsten Dörr?) zur vermeintlichen Besprechung eingefunden hatten.

Die Fälschungen flogen dann zwar schnell als solche auf - wohl noch am Tag ihrer Anbringung - aber zumindest die erste diente der Sache und uns brachte nie jemand mit ihnen in Verbindung. Die abgebildeten Zettel sind mit ziemlicher Sicherheit Entwürfe, mit denen wir noch nicht zufrieden waren. Die Originale wurden ganz bestimmt nach ihrer Enttarnung vernichtet.

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