1987 (1)

18.01.'87, So: Abends laufen im Gymnasium drüben wieder Mathe-Abiturvorbereitungen mit Herrn Ahlvers.

23.01.'87, Fr: Fahre an diesem heutigen Freitag zusammen mit Hannes vorzeitig ins Wochenende. Wir nehmen die 13.30-Uhr-Fähre und werden gewahr, daß Herr Guthmann ebenfalls unter den mitreisenden Passagieren ist [Anm.: Schreck, laß nach!]!!! ... Um nun tunlichst zu vermeiden, daß unser Direktor uns Fahnen- und Inselflüchtige während der Überfahrt zu Gesicht bekommt, 'verschanzen' wir uns im hinteren Schiffsbereich und warten nach Anlegen in Bensersiel auch erst so lange, bis Guthmann von der Fähre ist. Da wir [warum auch immer] annehmen, daß er nun den Bus nach Norden nimmt, mit welchem wir ebenfalls gedachten zu reisen, gehen wir im Nebel zu Fuß nach Esens, um von dort aus dann die weitere Heimreise anzutreten. In Esens begeben uns zunächst zum "HEROS-Verbrauchermarkt" am Rande des Ortskerns, wo wir jeder eine Flasch' Sekt mit eigens von uns falsch aufgeklebten Preisetiketten kaufen, und zum Aldi [Anm.: Schande, aber das taten wir schon mal, den zu kaufenden Sektflaschen im Supermarkt ein fremdes Preisschild mit niedrigerem Preis aufzukleben ... wenn auch sehr, sehr selten.]. Am Bahnhof in Esens angekommen fährt Hans der Schreck in die Glieder, als er sich sicher ist, im gerade abfahrenden Zug noch Guthmann aus dem Fenster habe schauen sehen! [Anm.:  Wo wir doch dachten, er säße im Bus nach Norden. Hm ... War das Versteckspielen am Ende doch vergebens? - Ich habe Guthmann jedenfalls nicht erblickt und Konsequenzen sind mir auch keine bekannt.] Nehmen dann vom Bahnhof Esens den Bus über Fulkum, Uppum, Dornum und Hage zum Bahnhof Norden, von wo wir 17:55 Uhr per Eilzug die finale Etappe der Heimreise antreten, während welcher wir im letzten Waggon des Zuges unsere Sektflaschen trinken. In Leer dann Verabschiedung.

30.01.'87, Fr: Stehe um 7:30 Uhr auf. Aufgrund der offenen Zimmerfenster ist es saukalt in der Bude. - Hannes und ich kommen heute mal pünktlich zu Mathe; es ist noch halbdunkel und kalt. In Mathe bei Ahlvers versuchen wir in Raum 4, das Integral von

zu bilden. Nach zwei Mathematikstunden dann begeben Hannes und ich uns ins Dorf, wo Hannes bei der Bäckerei Leiß Brötchen holt und ich bei Eckart weiße Luftschokolade und Chipsletten. Zurück im Internatszimmer liest Hannes im Sessel sitzend, während ich mich in mein verhangenes Bett lege, mir Chipsletten mit Mayonnaise zu Gemüte führe und dann zu schlafen versuche. Zu 10:35 Uhr bricht Hannes auf zu Geschichte (für Prüfungskursler). Ich erhebe mich 11:20 Uhr wieder und gehe  - es ist sonnig, trocken und kalt - mit meinen Erdkunde-Materialien rüber ins Gymnasium, wo Herr Helmer in Raum 2 bis 12:20 Uhr lediglich für mich und Regina C. eine Förderstunde zum schriftlichen Ek-Abitur am Donnerstag gibt. Er gibt Themen und Seiten an, die in 13.1 behandelt wurden (Industrie, EG, Stadtgeographie, ...). Danach unternehme ich zusammen mit Hannes einen Klassischen (Nr. 147) über die Holzbrücke, den klassischen Waldweg hin und her, um dann zum Mittagessen bei Göbel (13:10 Uhr) zu erscheinen. ... Es gibt Fischstäbchen. - Nach dem Mittagessen legen sowohl ich mich als auch Hannes sich erst einmal ins Bett. 14:10 Uhr aufgestanden gehe ich rüber zum nachmittäglichen Physik-Unterricht bei Hashagen ("Haschkragen"); während nicht viele Leutchen anwesend sind, geht es um Atome und die geschichtliche Entwicklung [der Atomphysik]. Währenddessen wenden Udo und ich uns unserem Unterrichtszeitvertreib Kreise-auf-dem-Papier-abschießen zu.

Das schriftliche Abi 1987

Das schriftliche Abitur 1987 fand vom 02. bis zum 06. Februar statt. Meine drei zu bewältigenden Klausuren dabei waren Englisch (LK) am 04.02., Erdkunde (3. Pf) am 05.02. und schließlich Mathematik (LK), zusammen mit Hans, am 06.02. Letzterer Termin wurde als von uns so genannter "Stichtag" schon einige Zeit im Vorfeld mit großer und sicher auch mitunter banger Spannung erwartet.

06.02.'87, Fr: Stichtag: Hannes und ich schreiben zusammen mit unseren LK-Kollegen Jan M., Olaf N. und Heiko G. [mehr wüßte ich nicht] unser sechsstündiges Mathematik-Abitur. Oliver, der Mathe als P3 (drittes Prüfungsfach) belegt hat, schreibt ebenfalls mit und hat vier Schulstunden Zeit. - Obwohl Hannes und ich uns im Rahmen der Vorgaben des Herrn Ahlvers selbstverständlich gut vorbereitet haben, entpuppt sich die uns vorgelegte Klausur als überaus harte Nuß, die letztlich nicht zu knacken ist; es läuft gleich von der ersten der drei Aufgaben an schlecht, einer Vektoraufgabe, in der wir mit dem an sich unlösbaren Problem konfrontiert sind, vier Variablen mit drei Gleichungen aufzulösen! Die zweite Aufgabe ist ebenfalls aus der Vektorrechnung, wobei es um Kreise und Kugeln geht (von mir teilweise gelöst), und Nummer Drei ist eine arcus-Aufgabe. Kommentar von Klausuraufsicht Helmer zur schweren Arbeit: Tröstense sich, ich hab' auch mal in Mathe Abitur geschrieben. Auf die Frage, welche Note er denn bekommen habe, kann er sich dann nicht mehr erinnern. - Oliver, der ja eigentlich vier Stunden Zeit gehabt hätte, beeilt sich mit seiner Klausur und gibt diese schon nach drei Stunden ab, eigens um noch die 11:00-Uhr-Fähre ins "Lange Wochenende" zu kriegen .

***

24.02.'87, Di: Nach dem Mittagessen bei Göbel spielen Hannes und ich bei schönem Wetter draußen "TE". Danach habe ich von 14:30 - 16:00 Uhr eine Doppelstunde Erdkunde bei Helmer (Thema: China / USA) und anschließend von 16:15 - 17:50 Uhr (zusammen mit Hannes) eine Doppelstunde Französisch bei Karl (Thema ist eine Kurzgeschichte aus "Le petit Nicolas").

05.03.’87, Do: In aller Herrgottsfrühe bringt mein Vater mich im Auto nach Rheine zum Bahnhof, wo ich den 4:11-Uhr-Zug (!!) Richtung Norddeich-Mole nehme. Steige schließlich in Norden aus und treffe dort Hans, der ebenfalls mit diesem Zug gekommen ist. Wir fahren nun also zusammen weiter, und zwar mit dem Linienbus nach Esens um 7:25 Uhr. In Esens angekommen gehen wir zum „Heros Verbrauchermarkt“, einem Supermarkt am Rande der Innenstadt. Dort können wir uns dann nicht entscheiden, was wir denn nun kaufen wollen; nach dem Motto: ‚Irgendwas fehlt.’ bzw. ‚Das kann’s nicht gewesen sein!’ Schließlich kaufe ich u.a. eine Prinzenrolle und Milky Way. Durch unsere Kaufunentschlossenheit im Markt verpassen wir dann ganz knapp (um eine Minute!) den Bus nach Bensersiel um 9:00 Uhr und sehen ihn gerade noch abbiegen. Verdammt!! … Also machen wir uns zu Fuß auf ins ca. 7km entfernte Bensersiel, entlang der Bensersieler Straße. Am Straßenrand liegen hoch aufgeschüppte Schneehaufen. Schließlich in Bensersiel am Anleger angelangt nehmen wir dann die 12:15-Uhr-Fähre nach L’oog. Durch diese verspätete Anreise haben wir heute Morgen wieder Unterrichtsstunden verpasst und malen uns aus, wie Guthmann darüber „selbstverständlich bitterböse“ sein wird.

06.03.’87, Fr: Wir achten in der Schule darauf, daß Guthmann uns nicht über den Weg läuft. Nachmittags findet dann die erste Leichtathletik-Stunde („LA“) beim neuen Lehrer Herrn John statt, welcher Nachfolger von „Leuchte“ (Leuchtenberger) ist. … Irgendwie gefällt er mir nicht.

07.03.’87, Sa: Wochenende! Schaue abends ca. 23:30 Uhr im TV das Tennis-Damenfinale in Key Biscayne, zwischen Steffi Graf und Chris Evert-Lloyd (6-1, 6-2).

08.03.’87, So: Ernähre mich heute von kalter Muschelsuppe, die ich direkt aus der Dose löffle. Abends läuft im TV das Herrenfinale in Key Biscayne, zwischen Miloslav Mecir und Ivan Lendl (7-5, 6-2, 7-5).    

09.03.’87, Mo: Gehe abends raus, nach Hause zu telefonieren: 1. Telefonzelle: Die Geldanzeige blinkt kurz auf, das Münzgeld fällt durch. 2. Telefonzelle: Die Glasscheibe der Zellentür fehlt, ein Metallbalken ist in den Türrahmen geklemmt, die rechte Seitenglasscheibe ist fast ganz rausgeschlagen. Betrete die Zelle über Scherben durch diese rechte Seite. Man kann beim Telefon nun allerdings keine Münze einwerfen, da blockiert! 3. Telefonzelle: Endlich kann ich zu Hause anrufen!

10.03.’87, Di: Abends ist es bei Mondlicht, sternklarem Himmel und durch den liegenden Schnee trotz Dunkelheit derart hell, daß Hans und ich uns zu einem „Nachtklassischen“ aufmachen. Wir gehen durchs Wäldchen und über den vereisten Pfützenpfad des Strauchgebiets. Die Äste und Zweige der Bäume werfen im Mondlicht ihre Schatten auf die schneebedeckten Wege. Später zurück im Zimmer schaue ich ab 23:45 Uhr im TV einen Tennis-Schaukampf zwischen Steffi Graf und Hana Mandlikova (6-2, 4-6, 6-4).

11.03.’87, Mi: Schreibe abends für den morgigen Englisch-Vokabeltest ca. 65 schwachsinnige Vokabeln raus und sehe diese in meinem dicken Wörterbuch nach. [Anm.: Keinen Schimmer, warum die Vokabeln „schwachsinnig“ gewesen sein sollten. … Ich hatte wohl schlicht keine Lust. Dem Englisch-Unterricht bei Herrn Block habe ich einiges zu verdanken!!]

13.03.’87, Fr: Die Iden des März! – Nach Geschichte – um die Mittagszeit – läuft im TV die Davis-Cup-Begegnung (Tennis) zwischen Deutschland und Spanien aus Barcelona, konkret das Einzel zwischen Boris Becker und Emilio Sanchez. Ich schalte mich dazu. Der Spielstand: 6-4, 7-5, 5-7, …. Um 14:15 Uhr ist dann allerdings erstmal die Doppelstunde Physik. Anschließend, um 15:45 Uhr, bekomme ich dann zurück im Zimmer das Ende des Matches noch mit: …, 3-6, 6-3. [Anm.: Trotz Beckers Sieg über Sandplatzspezialist Sanchez verlor Deutschland in der Gesamtwertung und musste im August des Jahres dann in der sog. „Survival Round“ gegen den Abstieg kämpfen, konkret gegen die USA in Hartford, Connecticut. Die sich daraus ergebenden Begegnungen Becker-McEnroe und Becker-Mayotte gehören zu den dramatischsten & spektakulärsten Tennis-Matches, die ich während meiner Tennisschau-Besessenheit der 80er und 90er und auch je gesehen habe!! … Aber nicht weiter abgeschweift!!] Um 16:00 Uhr ist dann in der Sporthalle Leichtathletik („LA“), gehe zusammen mit Hans hin. Es wird Weitsprung trainiert. Ein oder zwei uns unsympathische 12er-Schüler sind dabei. Kurz nach halb Fünf verlassen Hans und ich den laufenden Unterricht und die Sporthalle vorzeitig wegen Schwachsinns. Vor 17:00 Uhr spielen Hans und ich dann auf’m Platz „TE“. Es ist windig und am [so definierten] Spielfeldrand liegt noch Schnee bzw. Eis.

15.03.’87, So: Spiele abends gegen Marc „Schwach“ (drei Spiele). [Anm.: Ich bin mir ob des Begriffs nicht sicher, nehme aber stark an, daß Schach gemeint war, das wir alternativ-verballhornend auch „Schwach“ nannten. Allerdings gab es bei Marc und mir eine Phase, in der wir das Prinzip des Schachspiels einfach mal umkehrten und dann derjenige gewonnen hatte, der am Ende alle Figuren verloren hatte (bei Schlagzwang). Ursprünglich war es diese eigenwillige Variante zum Schach, die wir „Schwach“ nannten.]

16.03.’87, Mo: Nach dem Fraß spielen Hans und ich ab ca. 14:00 Uhr auf’m Platz TE. Dauernd rollen dabei unsere Bälle in Pfützen. Um 16:00 Uhr ist Basketball („BB“) bei Hashagen.

17.03.’87, Di: Ein Dienstag, … Tag „n“. – Schneefall und Tauwetter. Nachmittags habe ich wie jeden Dienstag eine Doppelstunde Helmer (Erdkunde) und anschließend eine Doppelstunde Karl Lange (Französisch). In letzterer geht es immer noch um die schwachsinnige Story mit Rufus, Eudes, Geoffroy, dem fusil à flèches (Holzbolzengewehr) etc..

19.03.’87, Do: Begebe mich nachmittags zusammen mit Oliver und Hans ins Dorf. Wir nehmen einen Tennisball mit, den wir uns auf dem Weg zur „Speisekammer“ per Fuß zupassen. Hans kommentiert das in der Form: Grabowski zu Hölzenbein, Hölzenbein zu Overrath, Overrath zu … etc.. Bei der „Speisekammer“ kaufe ich dann u.a. „Müllermilch“ und eine Dose „Suzi Wan“-Nasi-Goreng, bei „Feinkost Eckart“ dann noch weitere Lebensmittel.

20.03.’87, Fr: Unternehme im späten Nachmittag um 17:00 Uhr zusammen mit Hans einen sog. „Vorgöbloiden“ [Anm.: = einen Klassischen vor dem (hier Abend-)Essen bei Göbel, im Zuge dessen wir dann direkt beim Fraß erscheinen] durchs Wäldchen.

21.03.’87, Sa: Wochenendheimfahrt. Komme abends um 20:10 Uhr mit dem Zug in Rheine an. Zu Hause in Emsdetten nehme ich eine Cassette mit klassischer Musik für Langeoog auf (u.a. mit dem intern-berühmten ‚Jägerlied’).

26.03.’87, Do: In Englisch bei Block behandeln wir Martin Luther Kings Rede „I have a dream“.

29.03.’87, So: Heute schreibe ich meine Verweigerung für die Bundeswehr zu Ende. Schaue abends zusammen mit Oliver und Marc im TV einen „Tatort“-Krimi mit Uwe Ochsenknecht und Susanne Uhlen. Ein [amüsantes] Zitat daraus: „Zielperson betritt Objekt.“ Anschließend gibt’s eine Dokumentation über Karl May.

30.03.’87, Mo: Abends während der Arbeitsstunde gehen Hans und ich raus, spielen auf unserem Platz bis zur Dämmerung „TE“ und spazieren dann mit den Tennisschlägern auf einem „Dämmerungs-Klassischen“ durchs Wäldchen. Dabei stellen wir uns (scherzhaft) „unser Leben in Anstalten“ vor: Aktuell Internat, danach Bundeswehr oder Zivildienst, dann Knast, Irrenanstalt, schließlich Altersheim und Tod.

31.03.’87, Di: Letzter ‚Scherz’ … bzw. Märztag. Wir bekommen die Französisch-Klausur über die Rufus-Burzel-(laut Karl lange Hühnerarsch)-etc.-Geschichte zurück: Ich habe 15 Punkte. Abends lernen wir für die Mathematikklausur mit dem Thema „Komplexe Zahlen“ (Stichwort: „a + bi“).

01.04.’87, Mi: Nachmittags spielen Hans und ich im Rahmen von „TE“ den „Langeoog Cup“ (ein Match mit gezählten Punkten), welcher 6-3, 6-0, 6-4 zu meinen Gunsten ausgeht.

02.04.’87, Do: Nehme zusammen mit Hans die 11:00-Uhr-Fähre ans Festland. [Anm.: Es war wohl die Abreise in die Osterferien 1987.] In Bensersiel angekommen gehen wir zum „A&O Schmidt“ (Supermarkt hinterm Deich an der Hafenzufahrt) und kaufen uns dort Fanta-Dose & Rolo. Nehmen dann den 12:05-Uhr-Bus zum Bahnhof Esens. Von dort fahren wir im 12:28-Uhr-Anschlußbus weiter nach Norden, zum Bahnanschluß. Auf Höhe der Ortschaft Uppum, nicht lange nach Abfahrt aus Esens, öffnen wir dann unsere Fanta-Dosen. Vor dem Bus zuckelt ein langsamer Trecker mit Anhänger vor sich hin und wir schauen wiederholt auf die Uhr; schließlich müssen wir ja den 13:10-Uhr-Zug ab Norden noch erwischen!! Laut Fahrplan reicht der Zeitspielraum zwar gerade noch aus, doch trifft der Bus grundsätzlich verspätet am Bahnhof Norden ein. Unser Bus heute erreicht den Bahnhof Norden schließlich um 13:15 Uhr, während unser Zug noch auf Gleis 1 bereitsteht zur Abfahrt. Im Beeiltempo entern wir den Zug und haben also Glück. Hans steigt dann in Leer aus, ich erreiche nach 15:30 Uhr Emsdetten.

28.04.'87, Di: Spiele mit Hannes auf dem Platz - einem durch entsprechende Betonfelder des ehemaligen Flugplatzes definierten Bereich nahe einem Apartment-Haus jenseits des Ringschloots - Tennis. Wir versuchen zuerst, aus unseren zwei Zimmergardinen ein Netz zusammenzubinden, aber es fällt zu kurz aus. Knüpfen dann aus Kabeln, meinem Bademantelgürtel, dem Kabel von Pilchs Fön und Hannes' Lampe mit Kabel ein zweites Netz [bzw. eher eine gewisse die Netzhöhe simulierende Orientierungslinie für die Ballwechsel] und begeben uns erneut auf unseren 'Court'. Doch leider reicht auch diese Variante nicht ganz aus, die Distanz zwischen Zaun (einer Kleingärtnerparzelle) und Strauch zu überbrücken, so daß wir noch unsere Gürtel beisteuern müssen. ... Endlich ist die nötige Netzlänge erreicht . - Nach der abendlichen Arbeitsstunde gehen Hannes und ich erneut "TE" spielen. Als es dann langsam dunkel wird, reduzieren wir unsere Aktivitäten darauf, den Ball abwechselnd in die Luft zu schlagen, mit der "Zielfunktion", 100 Ballkontakte in unmittelbarer Folge hinzubekommen, was nicht ganz gelingen will, wobei wir immerhin respektable 78 erreichen. Als es dann bereits fast gänzlich dunkel geworden ist, suchen wir den Lichthof einer Straßenlaterne [des Süderdünenrings] auf, um das vorgegebene Ziel doch noch zu erreichen. Nach vielen "willenlosen" [Zit. Notizen] Versuchen schaffen wir schließlich dann doch noch die 100 Schläge [Nun, willenlos war das sicher nicht, eher motiviert von einem Ehrgeiz, den wir auch im vermeintlich Sinn- oder Nutzlosen generieren konnten und dessen Bestätigung durch Erfolg immerhin, wenn auch nur für den Moment, ein positives Gefühl hinterließ. ... Beschäftigungstherapie mit Erfolgsmomenten ... das bringt es wohl auf den Punkt .].

01.05.'87, Fr: Tag der Arbeit. Im Fernsehen: Der Papst in Köln. - Schaue nachmittags zusammen mit Oliver Tennis aus Hamburg, es spielt Lendl gegen Thierry Tulasne (4-6, 6-4, 6-?) und der Schiedsrichter sagt statt "Einstand" "Einstein". - Gehe abends mit Oliver noch zum Hafen, wo wir uns neben der Seglerkneipe einige Zeit auf die dort befindliche Schaukel setzen und schaukeln.

03.05.'87, So: Stehe im frühen Vormittag auf und glotze um 13:00 Uhr mit Oliver das Tennis-Finale am Hamburger Rothenbaum, zwischen Ivan Lendl und Miloslav Mecir (6-1, 6-3, 6-3). Später spiele ich dann selbst Tennis [naja, was man halt so kann oder eben auch nicht kann ... jedenfalls als Tennis erachtet], und zwar mit Marc, auf unserem Platz und mit einer 'Netz'-Orientierung aus Antennenkabeln. - Abends - Marc schaut in unserem Zimmer James Bond - begebe ich mich nach draußen, spaziere durchs Wäldchen und zum Hafen, den Deich entlang und an den Strand. Die Sonne ist gerade untergegangen, der Himmel rötlich und ein Wolkenstreif am Horizont. Als es fast dunkel ist, bin ich zurück im Internat. 

05.05.'87, Di: Trinke zur Zeit verstärkt "Berliner Kindl Weisse" mit entsprechendem Schuß Himbeer- oder Kirschsirup ... oder halt ohne. Im Zimmer stehen mehrere leere dieser 0,33-Liter-Flaschen herum: vier auf meinem Schreibtisch, vier auf dem Zimmertisch, eine im Regal und eine liegt unter Hannes' Sessel [Anm.: Wohl bekam's. ... Das Weisse hatte aus meiner Sicht wohl so verschwindend wenig Alkoholgehalt, daß Geheimhaltung gegenüber Offiziell unnötig erschien. ... Naja, die zwei, drei Prozent! ]. - Das Wetter heute: kalt, bedeckt und windig. - Schauen abends nach dem Abend-Fraß bei Göbel ab 18:20 Uhr im Zimmer im TV Werbung und Sandmännchen. Beschäftige mich kurz mit Mathe und gehe um 21:00 Uhr gemeinsam mit Hannes nach draußen, auf den ca. 45 Minuten dauernden 172sten registrierten Klassischen [Anm.: ] durchs Wäldchen. Später, 22.20 Uhr, schauen wir im Zimmer-TV das "Literarische Café Einstein" und um 23:50 Uhr beschließt Kuli mit den "Nachtgedanken" das Fernsehprogramm: "Gute Nacht." - Kommentar zum Tage: "Das ist leider richtig." [Anm.: Keine Ahnung mehr, was das konkret heißen sollte.]

06.05.'87, Mi: Begebe mich zusammen mit Oliver morgens ins Dorf, wo wir bei der "Leichenkammer" und "Fernost Eckart" einkaufen (Dose "Suzi-Wan"-"Nasi Goreng", 12er-Packung "Hanuta" (mit den aktuellen "Crazy Cars"-Aufklebern), "Böklunder"-Würstchen, zwei Becher "Müllermilch"-"Banane" u.a.). Vor dem (Mittags-)Fraß bei Göbel spiele ich zusammen mit Udo im Zimmer 46 ("immer 46" / "del Pokérn" [Erläuterung an anderer Stelle]) auf seiner betagten Videospiel-Konsole "Videopac Computer"-"G7000" von Philips: Duell (mit den beiden Pistoleros in der Pilz-Felsenwüste), Katapult, Autorennen und "Die Suche nach den Ringen" (bis 13:00 Uhr).  Gehe nachmittags mit Hannes und Marc mit Tennisschlägern und Antennenkabel als Netzsimulation auf einen richtigen Tennisplatz, jenen neben dem Flugplatz. Es ist ziemlich windig. Spiele mit Hannes den dritten Satz des gestern begonnenen Matches (6-2, 3-6 aus meiner Sicht) zu Ende; Ergebnis: 6-0. Ich spiele dann noch einen Satz gegen Marc (3-6) und Hannes spielt einen gegen ihn (2-6). Der Wind ist dabei noch so stark, daß die Bälle in ihrer Flugbahn manchmal überraschende / unvorhersehbare Bogen beschreiben. Der Nicht-Spielende ist jeweils Schiedsrichter. Später, ca. 17:10 Uhr, hole ich mit Hannes zu einem "vorgöbloiden Klassischen" aus. - 22:10 Uhr schaue ich zusammen mit Oliver und Hannes im TV den Godard-Film "Elf Uhr nachts" mit Jean-Paul Belmondo (Marianne: "... Pierrot!" - Belmondo: "Ich heiße Ferdinand. ... Aber das ist jetzt egal."). Zum Film brate ich mir auf meiner Kochplatte den Nasi-Goreng-Reis.

07.05.'87, Do: In Geschichte erfahre ich von Horb, daß ich in der Klausur 03 Punkte habe. - Frühnachmittags um 13:30 Uhr ist Englisch bei "Jim Baxter" bzw. "Ray Block" bzw. - strengsachlich ausgedrückt - Reinhard Block. Thema der (Doppel)Stunde ist "The struggle for survival.". Anschließend mache ich mich mit Hannes auf zu einem Klassischen durchs Wäldchen und durch die "Steppe von Kasachstan". Es ist sonnig und windig. Später (nach 16 Uhr) begeben wir uns dann mit Tennisschlägern, zwei Dosen "Beck's"-Bier, Knabbereien u.a. zum Strand, setzen uns dort an die Dünen und nehmen das Mitgebrachte zu uns. Dann spielen wir dort unsere Version von "Ping Pong": Wir schlagen abwechselnd den Ball in die Höhe und zählen dabei die konsequenten Schlägerkontakte, ohne daß der Ball verfehlt wird bzw. sonstwie auf dem Boden landet. Nach zahlreichen Versuchen kommen wir schließlich auf 446 (!) ununterbrochene Ballkontakte. [Anm.: Sinnvolle Freizeitbeschäftigung KONNTE anders aussehen, MUSSTE sie aber nicht! ] Ca. 17:50 Uhr machen wir uns dann auf den Rückweg, am Strand entlang und zum Internat; ohne Schuhe, die wir in der Plastiktüte tragen. - Abends lerne ich noch für Physik (Photoeffekt / Elektronenbeugung). Hannes legt sich abends auf sein Bett, während im Radio ein Elton-John-Konzert läuft. Als er dann ca. 23 Uhr wieder aus dem Bett springt, murmelt er verschlafen: "Ich denk', mich beißt der Papst."  

21.05.'87, Do: Tag X: Heute werden die Noten des schriftlichen Abiturs vom Februar bekanntgegeben und Nassauers diesbezüglich verbreitete Gerüchte finden ein Ende. Diesen Gerüchten zufolge habe einer von uns beiden in Mathe-LK 00 Punkte, wobei die drei möglichen Ergebnisse für Hans, Jan und mich angeblich 00, 04 und 06 Punkte seien und konkret Jan die 04 Punkte daraus haben soll ... [Was hat den Herrn nur bewogen, solcherlei Unsinn in die Schulwelt zu setzen??]. Um 8:00 Uhr sind die Abiturienten im Gymnasium, wo wir von Herrn Helmer alle zunächst in Raum 7 gebeten werden und dort der alphabetischen Aufrufung zum Erscheinen im Sekretariat unterliegen. Nach und nach jedoch begeben sich mehr und mehr Leute wieder auf den Flur, zum Schwarzen Brett, und warten dort. Nacheinander wird man dann ins Sekretariat gebeten und kommt mit einem Zettel, auf dem die drei erreichten Noten der jeweiligen Abiturklausuren dokumentiert sind, wieder heraus. Als ich dann ins Sekretariat gerufen werde, muß ich darin noch kurz warten, bis Jan Mähl fertig ist. Nach ihm trete ich dann in Guthmanns Büro ein, der am runden Tisch sitzt. Er läßt mich wissen, daß es ihm unbegreiflich sei, daß ich in Mathematik so schlecht abgeschnitten habe und überreicht mir meinen Notenzettel. Meine Ergebnisse: Mathe 02 Punkte, Englisch 10 Punkte und Erdkunde 01 Punkt. Neben Physik als P4 muß ich mündlich dann auch noch in Mathe geprüft werden. Als schließlich Hans an der Reihe ist, kommt er - wie ich - mit einem 02-Punkte-Ergebnis in Mathe wieder aus dem Sekretariat. Ein weiteres Nassauer-Gerücht verpufft, als Oliver dann an der Reihe ist und statt der angeblichen 11 Punkte in Englisch-LK lediglich 07 Punkte einstreichen darf. Mit Hans verlasse ich das Gymnasium dann wieder zurück zum Internat, wo wir in unserem Zimmer unsere bisherige Punktausbeute in "Block III" ausrechnen. Ich meinerseits komme auf 72 Punkte: Aus den Noten der schriftlichen Abi-Klausuren (die jeweils mit dem Faktor Vier multipliziert werden) ergeben sich 52 Punkte, dazu kommen die Zeugnisnoten meiner vier Prüfungsfächer aus der 13.2, dem finalen Schulhalbjahr (L1 = Mathe (08 P), L2 = Englisch (06 P), P3 = Erdkunde (01 P) und P4 = Physik (05 P)), zusammen 20 Punkte. Da die Bestehensgrenze nun bei 100 Punkten liegt, muß ich also in beiden anstehenden mündlichen Prüfungen (Physik und Mathe) jeweils mindestens 05 Punkte machen, um meine Ausbeute dreistellig zu gestalten und damit das Abitur zu retten [Anm.: 05 Punkte in Mathe bedeuten eine Anhebung meiner schriftlichen Note um einen Punkt von 02 auf 03, wobei wieder der Multiplikationsfaktor Vier gilt, ebenso wie für P4]. ... Fahre dann zusammen mit Hans mit der 11:00-Uhr-Fähre ans Festland, in die Kurzurlaubs- und Vorbereitungszeit bis zu den mündlichen Prüfungen. Auf der Fähre sitzen wir oben an Deck, ganz hinten auf unserem Stammplatz. In Bensersiel angelangt, begeben wir uns gleich zu "A&O Schmidt" hinterm Deichfuß an der Hafeneinfahrt, wo wir jeder eine Flasche "Asti Capiara"-Sekt sowie eine Dose Fanta kaufen. Nehmen dann den 12:05-Uhr-Bus von Bensersiel nach Esens. An entsprechender Haltestelle in Esens sagt der traditionelle Busfahrer der Strecke mit seiner dunklen Stimme mit leicht warnend bis drohend wirkendem Anklang "Krrrrankenhaus!" durch. Vom Bahnhof Esens geht es dann mit dem 12:28er-Bus weiter nach Norden. Wir haben das Vergnügen, im historischen Ziehharmonika-Bus aus dem Jahre 1962 befördert zu werden, in dem jeder Busfahrer zum "Kutscher" wird. Wir belegen die hintersten Busplätzen, auf denen man sich gegenübersitzt kann. Als der Bus auf Höhe Fulkum ist, werden die Fanta-Dosen geöffnet. In Dornum nimmt der Bus wieder eine Ladung Schulkinder auf, die schließlich bis Hage alle wieder verschwunden sind. Angekommen am Bahnhof in Norden steht dort noch der Zug nach Münster, in den wir umgehend einsteigen. Es ist ca. 13:15 Uhr. Während der gemeinsamen Zugfahrt bis Leer trinken wir dann jeder unsere Pulle Sekt. ... "Weil es sein muß!" [Wörtliche Anmerkung in meinen Notizen.] In Leer steig Hans dann aus und wir verabschieden uns bis zur Wiederanreise am 31. Mai.

31.05.'87, So: Um 12:28 Uhr geht es für mich heute zum letzten Mal per Zug Richtung Langeoog. Angekommen auf der Insel gehe ich abends mit Marc zum Tennisplatz neben dem Flugplatz. Oliver kommt auch mit. Wir haben das von Hans und mir zusammengeknotete 'Tennisnetz' dabei (aus Antennenkabel und Fußballnetzteilen). Auf dem Tennisplatz angekommen spannen wir das Netz auf und spielen uns Bälle zu; ich stehe auf der einen Seite, Marc und Oliver auf der anderen. Später kommt Hans dazu, der die 19:00-Uhr-Fähre genommen hat. Marc und Oliver gehen und ich spiele mit Hans ein Tennismatch, welches schließlich 6-3, 6-2 aus meiner Sicht endet. Wir baue das Netz ab und lassen es ein Stück hinter dem Tennisplatz versteckt in den Büschen hier. Auf dem Weg zurück zum Internat kommen wir mit dem Süderdünenring am Haus Wiedel vorbei und malen uns - in Phantasie unterstellend - aus, wie sich Herr W. gerade an der (frei erfundenen) Hausbar die genauso frei erfundene fünfte Flasche "Moorgeist" genehmigt. Zurück im Internat beschäftige ich mich mit dem Thema der mündlichen Mathe-Prüfung, den "komplexen Zahlen". Spätabends unternehme ich mit Hans noch einen Klassischen durchs Wäldchen. Ich gehe in meinem - vormals Pilchs - Bademantel. Da die Oberstufentüre bei unserer Rückkehr dann inzwischen verschlossen ist, müssen wir durch Olivers Zimmerfenster einsteigen. Im Zimmer sind gerade Oliver, Marc, eine Dame und Udo mit seinem schwarzen Hund anwesend. Zurück im Zimmer 45 oben trinken Hans und ich dann noch jeder eine Flasche Sekt. Hören dazu u.a. das "Jägerlied". Ca. 2:30 Uhr beschließen wir dann den Tag. Mein Kühlschrank steht derzeit übrigens unten bei Reza, der ihn unbedingt während meiner 'Vorbereitungswoche' bei sich im Zimmer haben wollte.     

Das mündliche Abi 1987

01.06.'87, Mo: Hannes und ich stehen heute später auf, holen uns aus der Küche Brötchen, Teller und Aufstrichdöschen, setzen uns damit in unser Zimmer und frühstücken [Anm.: Während der mündlichen Prüfungswoche wurde das Frühstück für die Abiturienten in Frau Noltus' Gruppenraum bereitgestellt.]. Schauen dazu im TV Tennis aus Paris. Um 10:30 Uhr müssen die Abiturienten im Lehrerzimmer drüben im Gymnasium erscheinen. Oberprüfer Dr. Hinz, Guthmann und andere Lehrer sind anwesend. ... Herr Hashagen trägt dabei einen "unmöglichen" [Zitat Notizen!] Anzug. Dr. Hinz erläutert nun mit hoher Stimme den Verlauf der mündlichen Abiturprüfung und fügt an, daß es auch nicht so schlimm sei, wenn man durchfallen sollte, denn wenn man erst 80 Jahre alt sei, käme es auf ein Jahr mehr oder weniger auch nicht an [Anm.: Wie witzig!!]. Anschließend können wir dann auch schon wieder gehen. - Mittags trage ich zusammen mit Reza meinen Kühlschrank wieder rauf in mein Zimmer. Später nehme ich meine [besser gesagt meines Vaters] mitgebrachte Videokamera zur Hand und filme Zimmerszenen mit Hannes, Marc und Oliver. ... U.a. gibt Hannes mit Sonnenbrille, weißer Mütze und weißem Kittel kurzzeitig den "Arzt" [Anm.: So kurz vor dem Langeooger Schulfinale und noch dazu mit einer Kameralinse vor Augen mußten ein paar Albernheiten im privaten Viererbandenrahmen halt sein.]. Nachmittags spielen Hannes und ich auf dem TE-Platz ein Zwei-Satz-Tennis-Match und abends läuft dann im TV die letzte Folge von "Das Boot". Martin hat sich zum Fernsehen dazugesellt und merkt nicht, daß ich ihn mit meiner auf dem Schreibtisch postierten Videokamera filme. Ich sitze am Schreibtisch und beschäftige mich für meine beiden mündlichen Prüfungen morgen mit Mathe (Stichwort: Die Kreistreue (gerne auch mal "Sch***treue genannt) der Abbildung w --> 1 durch z*) und Physik. Dann geht es zusammen mit Hannes auf einen Abend-Klassischen (ich im Bademantel) und später reißen wir dann zum "Jägerlied" den Tag vom Türkalender. ... Schicht! [Anm.: Auch das wird gefilmt.]. ... Morgen ist mein großer Stichtag.

02.06.'87, Di: Um 7:25 Uhr stehe ich auf und gehe dann zusammen mit Hannes rüber ins Gymnasium. Ich habe dort meine erste mündliche Prüfung, Physik. 8:10 Uhr beginnt die Vorbereitungszeit und ich werde von Herrn Wiedel die Treppe zum Physik-Raum im Souterrain hinuntergeführt. Er geleitet mich durch den Physik-Raum zum sich anschließenden Materialienraum, während gerade Björn W. geprüft wird. Im 'Hinterzimmer' sitzt als Vorbereitungssaufsicht Herr Block. Herr Hashagen hat eine Schaltung aufgebaut [Anm.: Thema ist die Digitale Elektronik, quasi der Themenbereich der Physik, zu dem ich den allergeringsten Zugang hatte ... genauer gesagt: gar keinen!  ... Auweia!], die ich dann erklären und anzeichnen soll. Die Vorbereitungszeit beginnt also, und Herr Block leiht mir einen Kuli. Ich versuche zwar, eine Schaltskizze zu zeichnen, aber es gelingt mir nicht. Darüberhinaus kenne ich einige der Schaltzeichen gar nicht [Anm.: Nochmal Auweia!]. Jedenfalls ist dann um 8:30 Uhr Prüfungsbeginn und ich betrete den als Prüfungsbühne dienenden Physik-Raum. Dort sitzen Guthmann, Helmer, Hinz, Wiedel, Protokollant Banaschewski und als Gasthörer 12er-Schüler Peter Guthmann. Nachdem Herr Hashagen den zugrundeliegenden Versuch (Lichtschranke) noch einmal vorgeführt hat, soll ich nun also zeichnen und erklären. Ich zeichne erst etwas an, was falsch ist, soll dann [lediglich] erklären. Ich habe überhaupt keine Ahnung [vom Versuchsaufbau], labere stattdessen [ausweichend] nur über den eingebauten Transistor (Defektelektronen ...). Dann darf ich gehen. - Oh Mann, die Prüfung habe ich total vergeigt!! ... Ich gehe wieder rauf ins Foyer, wo sich "Tascha" (Natascha K.) aufhält. Sie fragt mich, wie's mit der Prüfung gelaufen sei und ich muß antworten, daß schlecht. Ich begebe mich dann wieder zurück ins Internat und überlege: Selbst wenn ich in der Physik-Prüfung 03 Punkte bekommen sollte, müßte ich in der gleich noch anstehenden Mathe-Prüfung stolze 14 Punkte (!) erwirtschaften, um das Abitur doch noch zu schaffen. Ich gehe zu Marc ins Zimmer, wo sich auch Oliver aufhält. Wir werden dann von Frau Noltus wieder zum Gymnasium rübergeschickt, da wir angeblich dort im Prüfungs-Warteraum (= in der Bibliothek) auf die weiteren mündlichen Prüfungen zu warten haben. Wir gehen also wieder rüber. Hannes hat dort inzwischen seine Mathe-Prüfung absolviert; es lief bei ihm ganz gut, Thema war "Gleichsinnige Ähnlichkeit". Man sitzt nun in der Bibliothek am Tisch (Hans, ich, Oliver und Frau Noltus), Heiko kommt auch herein ... er ist bereits durchgefallen. Auch Olaf N. erscheint. Frau Noltus bringt ein Tablett mit belegten Brötchen herein, Tascha Plastikgetränkebecher und zwei Flaschen Orangen- / Apfelsaft. Um 11:10 Uhr holt mich dann Herr Wiedel zur Vorbereitung der mündlichen Mathe-Prüfung. Im entsprechenden Vorbereitungs(klassen)raum hat Karl Lange Aufsicht. Auf meinem Prüfungsaufgabenzettel steht was von der "Kreistreue" der Abbildung w --> 1/z* [Anm.: Das Thema sind die "Komplexen Zahlen".]. ... So ein Mist!!! Mein Abitur kann ich nun endgültig abhaken! Ich werde dann von Herrn Wiedel abgeholt, die Prüfung findet im Lehrerzimmer statt. Dort anwesend sind Ahlvers, Guthmann, Protokollant Banaschewski, ... und ich soll die gegebenen Teilaufgaben lösen. Ich rechne irgendwas, verhaue mich dabei, es geht um die Abbildung eines Kreises auf einer Geraden, zz* u.a.. Die Prüfung ist dann beendet und ich darf zurück rüber in die Bibliothek. Hans und Oliver fragen, wie meine Prüfung gewesen sei und ich kann nur sagen, daß ich Pech gehabt habe. Augenblicke letzter Funken trügerischer Hoffnung später kommt dann Guthmann herein: Ich möge doch einmal kurz mit herauskommen. Begleite Oberprüfer Dr. Hinz und Herrn Guthmann also ins Direktorenzimmer hinter dem Sekratariat, wo man am Tisch platznimmt. Hinz eröffnet mir, daß ich nur 89 statt der erforderlichen 100 Punkte erreicht habe und somit das Abitur nicht bestanden. Er wisse auch nicht, warum ich überhaupt Mathe-LK gewählt hatte [Anm.: Schon mal etwas vom Faktor Pech gehört, der Herr?? ... Des ganzen Übels Wurzel war die völlig indiskutable Abi-Klausur Anfang Februar, und da war nicht nur ich betroffen. ... Ok, die Schuld des Nichtbestehens jetzt liegt natürlich auch ganz klar bei mir, aber mich mit anderen Worten quasi als Mathe-Lusche abzustempeln, ist ja wohl überaus unangebracht!], gibt mir dann die Hand und sagt, das Abitur sei Glückssache und man sähe sich dann ja nächstes Jahr wieder. Ich entgegne: "Vielleicht." und gehe. - Tja, das war's also für mich.

Mittags kommen Hans, Marc und Oliver von der Abi-Durchschnittsnoten-Bekanntgabe zurück und ich kann die Laberei übers Abitur nicht vertragen. Olaf N. übrigens wurde in Mathe auf 14 Punkte geprüft. Nachmittags begebe ich mich zusammen mit Hans und bewaffnet mit Tennisschlägern auf den Tennisplatz neben dem Flugfeld. Wir spielen ein Match mit gezählten Punkten, welches 6-0, 6-3, 6-0 zu meinen Gunsten endet [Na, welch ein Trost!]. Anschließend gehen wir ins Dorf, wo ich vier Flaschen Sekt, eine Flasche Wein und "Müllermilch" kaufe. Auf dem Weg zurück zum Internat begegnen wir Udo, der in seiner mündlichen Englisch-Abi-Prüfung versagt hat und durchgefallen ist.  

Abends gehen ich, Hans und nun auch Marc auf den Tennis-Court beim Flugplatz, wo ich ein Match gegen Marc spiele. Es macht Spaß und endet 6-4, 6-4 aus meiner Sicht. Ich überrede Marc zu einem dritten Gewinnsatz und es wird langsam abenddämmrig. Den dritten Satz gewinnt Marc 6-3, so daß wir also noch einen vierten dranhängen müssen. Erst weigert Marc sich, greift dann aber doch noch wieder zum Schläger. Langsam wird es dunkel und man schwitzt. Es kommen noch schöne Ballwechsel zustande und nach zwei Stunden und zwanzig Minuten endet das Match mit Marc dann mit 7-6 im vierten Satz zu meinen Gunsten. ... Es ist nun fast dunkel [Anm.: Ein bißchen Labsal und Erfolgserlebnis ... wenn auch im offiziell absolut Unbedeutenden ... sei mir an diesem Tag gegönnt gewesen. Ablenkung ist sicher auch ein nicht unwichtiges Stichwort dabei.]. 

03.06.'87, Mi: "Böser Tag!" [Zitat Notizen] 11:00 Uhr läuft im Fernsehen ein Tennis-Match mit Miloslav Mecir [Viertelfinale French Open im Stade Roland Garros / Paris]. Mittags schauen ich, Hannes und Oliver zusammen das Match Boris Becker gegen Jimmy Connors (Viertelfinale), während dessen ich mit der Videokamera meine beiden Glotzgefährten filme und welches dann 6-3, 6-3, 7-5 zugunsten von Becker endet. Ein Zitat von Oliver während des Spiels: "Als der am Ball war, hat Becker noch in die Wiege gekackt." - Abends gehe ich zusammen mit Hannes und Marc zum Tennisplatz am Flugfeld, wo sich gerade Oliver und Sabine Heydt Bälle zuspielen.

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Das "Langeoog Cup Finale"

[Das "Langeoog Cup Finale" war zwei Tage vor Abreise nach dem Abi '87 der Abschluß und quasi die Krönung Hans' und meiner Tennisaktivitäten des vergangenen Internatsjahres. Wir hatten es im voraus geplant und mehrere Mitschüler für das Ereignis eingespannt. Diverse Szenen des Matches wurden dabei mit meiner Videokamera festgehalten. Mögen unsere tennissportlichen Fähigkeiten auch bis zuletzt recht bescheiden gewesen sein: Die Filzkugelduelle mit Hans und auch mit Marc machten immer einen Riesenspaß und waren äußerst ausgleichfördernd.]

Ort: Der Tennisplatz zwischen Fußballplatz und dem Langeooger Flugplatz, unterhalb des Bahndamms.

Spieler: Sascha Mings und Hans Philipson

Schieds- und Netzrichter: Wolfram Rollett

Supervisor (selbsternannt): Oliver Pokérn

Kameraführung & Kommentar: Frank Klußmann

Einziger, aber repräsentativer Zuschauer: Reza Sameni

Balljunge: Christian Bundschuh

'Sponsor': Marc Widdel

04.06.'87, Do: Vorletzter Ganzer (Tag). - Nach dem Mittagessen - es hat kurz geregnet - erkläre ich dem Lächler kurz die Führung meiner Videokamera und erklärt Hans ihm die groben / wichtigsten Tennisregeln. Schließlich begeben Hans und ich uns zusammen mit Lächler, Reza und Wolfram sowie ausgerüstet mit Sportgerät, der Videokamera und einem vorsorglichen Regenschirm zum Tennisplatz. Dort angekommen spannen wir zunächst unser angefertigtes Netz zwischen den beiden Netzpfosten. Es folgt die Einschlagphase zwischen Hans und mir. Zu Beginn des Matches dann regnet es kurz, während der Lächler den Schirm über der Videokamera aufgespannt hat. Der erste Satz (Vorgabe sind drei Gewinnsätze) endet dann 6-2 für Hans und ich mache als Reaktion quasi den McEnroe, indem ich etwas mißmutig meinen Schläger zu Boden werfe. In den Pausen trinken Hans und ich aus mitgebrachten Flaschen "Extaler"-Limonade. Dann kommt Oliver mit Sonnenbrille auf einem Fahrrad dazu, schaut sich das Geschehen eine Weile an und torpediert als selbsternannter "Supervisor"scherzhaft einige von Wolframs Schiedsrichterentscheidungen à la "Supervisor correction: The ball was good!" , was Wolfram mitunter fast zur - ebenfalls scherzhaft-gespielten - Verzweiflung treibt. Oliver muß übrigens gleich seine aus Hamburg eintreffenden Kumpel vom Bahnhof abholen. ... Dann kommt Marc dazu, der mit erhobenen Armen 'Victory' gestikulierend den Tennis-Court betritt. Im Verlauf des Matches erscheint auch Spätzle, der mit Schirmmütze auf dem Kopf eine Zeit lang als Balljunge aktiv ist. Nebenan am Rande des Fußballrasenplatzes finden sich während der Schlußphase des Matches dann bereits vereinzelt Schüler und Lehrer zum angesetzten Fußballspiel Schüler (13er) gegen Lehrer ein und konstatieren bei Ankunft z. T. verwundert die parallelen Tennisaktivitäten unsererseits. U.a. sind Olaf Nowak, Radzuweit, Herr Block und Herr Nassauer flüchtige Beobachter. Nach vier Sätzen endet das "Langeoog Cup Finale" schließlich mit meinem Sieg. Der (abschließend rekonstruierte) Endstand aus meiner Sicht: 2-6, 6-4, 6-3, 6-2.

05.06.'87, Fr: "Letzter ganzer Tag auf L'oog." [Zitat Notizen]. Stehe ca. 11:25 Uhr auf und gehe dann zusammen mit Hans ins Dorf zur "Speisekammer", dann zum Getränkemarkt H. Dieter Schmidt, wo Hannes zwei Flaschen "Thannhäuser"-Sekt kauft. Beim Verlassen des Ladens vergißt er seine zuvor gekaufte Tüte Chips und läßt sie dort aus freien Stücken liegen. Vor dem Mittagessen unternehmen wir noch einen "vorgöbloiden" Klassischen, Nr. 199. Danach geht es zum letzten "Göbelfraß", also zum letzten Mittagsmahl in der Realschule. Es sind nur vorne zur Essensausgabe einige Tische gedeckt, so daß man auch mit Tieferklässlern zusammensitzt. Es gibt Nudeln. Nach Göbel wieder im Internat packt Hannes Massen von Mathematik- und anderen Zetteln in zwei Plastiktüten und schüttet diese draußen auf dem Hof in den Müll-Container. Im TV läuft dann das Tennis-Herren-Halbfinale der "French Open" (Paris) zwischen Becker und Wilander, welches 4-6, 1-6, 2-6 endet, danach kommt das zweite Halbfinale zwischen Lendl und Mecir. - Später erfährt man, daß "Elvis", also Detlef N., eigens für die Abiturfeier heute abend zu Besuch auf die Insel gekommen ist! Ich treffe ihn dann abends im unteren Flur; er ist bei der Bundeswehr und befindet sich im Rahmen seines Dienstes derzeit auf Kreta. Er hat mir drei Dosen Coke mitgebracht (eine volle und eine leere aus den USA sowie eine leere aus Griechenland) [Anm.: "Elvis" war in der 11ten und 12ten (= 1984/86) Hans' und mein Klassen- bzw. Jahrgangsstufenkamerad (sowie lange Zimmernachbar) und unterstützte meine damalige Leidenschaft des Sammelns leerer Coca-Cola-Dosen immer wieder mit Materialbeisteuerungen. Sehr nett und aufmerksam, daß er sich dieser hiermit noch erinnerte!!]. Später mache ich mich zusammen mit Hannes auf zu unserem letzten klassischen Spaziergang über die Holzbrücke des Stinkschloots und durch das Inselwäldchen, zum "Schuljahres-Langeoog-Letzt-Letzt-Klassischen" (Nr. 200), ich in Pilchs ehemaligem Bademantel. Wir absolvieren die "Klassische Wende", die "Klassische Schleife" (= den gewundenen Weg im westlichen Wäldchen-Bereich, wo Kiefernbestand vorherrscht) und den "Weg in die Zukunft" [Anm.: Ich weiß, wir hatten einen 'Stich' ... aber es war ein reichlich harmloser und wir hatten dabei auch und vor allem den Stich bzw. Trumpf, sehr gerne unter Mutter Naturs freiem Himmel unterwegs zu sein. Das befreite zeit unseres Internats- und Inselaufenthaltes immer wieder Kopf und Kragen und schuf genug zeitweiliges Gegengewicht zum manchmal wirklich unausstehlichen Mikroklima innerhalb der Internatsmauern. - Die Verdopplung des Wortteils "letzt" trug wohl unserer "Großen Revolution" Rechnung, als wir bereits einen vermeintlich letzten gemeinsamen Spaziergang unternahmen.]. Auf dem gewundenen Kiefernweg entdecken mir mitten darauf einen seltsamen, dicken Wurm.

Um 20:00 Uhr begibt Hannes sich zur Abi-Feier rüber ins Gymnasium, während ich verständlicherweise nicht mitkomme. Er meint, er komme so ca. 23 Uhr wieder zurück [Anm.: Naja, da war ich wohl ein Frosch; klar, daß mir nicht unbedingt zum Schulabschlußfeiern zumute war unter all den frohen, befreiten Gesichtern, aber den Weggefährten zuliebe hätte ich vielleicht doch mitgehen sollen ...]. Ich bleibe also, allein und im Bademantel, im Zimmer. Später kommen mich dann Oliver und "T.B.", der aktuell auch auf der Insel ist, in meinem Zimmer besuchen. "T.B." raucht "Stoff" [Anm.: Zitat. - Ich weiß nun nicht, was er da tatsächlich rauchte, aber unbedarft wie ich war (und bin) erschien mir jeder Glimmstengel-Duft jenseits des üblichen Qualmaromas suspekt. ... Bis auf die "Bali-Zigaretten" selbstverständlich!!]. Oliver hat mir [sehr netterweise] einen Teller mit Dingen vom Kalten Buffet drüben mitgebracht. Marc ist auch da. Während Oliver und "T.B." dann wieder rüber zur Schule gehen, bleibt Marc noch etwas bei mir, bevor er dann auch wieder zur Abi-Feier abwandert. Ich warte auf Hannes, der auf sich warten läßt, um mit ihm unseren letzten Sektabend zu begehen. Schließlich entkorke ich für mich allein schon einmal die erste der vier vorhandenen Sekt-Pullen. Hannes kommt dann, als es nach 24:00 Uhr ist. Sein Abiturzeugnis wurde übrigens während der Feier leicht benäßt. - Wir verdunkeln nun bis auf den Schein der roten Kerze das Zimmer, lassen mittels Hans' Radiorecorder von Cassette unser "Jägerlied" ertönen und lassen bei den ersten Klängen jenes Weber'schen Jägerchors aus dem "Freischütz" die Korken unserer Sektflaschen aus den geöffneten Zimmerfenstern in die Nacht knallen. Die 'Feierlichkeit' hält sich nun allerdings in eher nüchternen Grenzen, Hans schmeckt der Sekt nicht und wir brechen den Sektabend vorzeitig ab [Anm.: Tja, abgesehen vom Flaschenentkorken wahrlich kein würdiger Knaller, unser letzter gemeinsamer Spätabend als Internatsschüler ...]. 

06.06.'87, Sa: "Lotfußpunkt", "Tag x hoch x dx", der "n-te Tag" ... oder schlicht "Schicht!". - Heute reisen wir vom Langeooger Internat ab. Ca. 9:45 Uhr stehe ich auf und es werden letzte Klamotten zusammengepackt. Ich hänge mir meinen abgesägten Holzstuhl um den Hals, nehme den Karton mit der Videokamera zur Hand etc.. Hans und ich verabschieden uns von Frau Noltus und händigen ihr unsere Zimmerschlüssel aus. Zusammen mit "Elvis" gehen wir zum Bahnhof; es regnet. Wir tun die letzte Inselbahn-Fahrt zum Anleger und die letzte Fährpassage nach Bensersiel. Die Fähre ist voll, während der Überfahrt regnet es und Hans und ich sitzen oben auf Deck, ich auf meinem tiefergestutzten Stuhl. In Bensersiel angelangt nimmt "Elvis" uns in seinem Auto noch mit bis Esens, Uwe "Bauer" Vogt, der auf L'oog '86 Abitur gemacht hat, fährt ebenfalls bis Esens mit. In Esens verabschieden wir uns von "Elvis" und nehmen dann den Bus nach Norden. Im Bus bindet Hans seinen gerissenen Müllsack, in dem er sein Bettzeug transportiert, mit dem Radiorecorder-Kabel neu zusammen. In Norden angekommen warten wir auf den Anschlußzug in unsere jeweilige Heimat. Wir setzen uns am Bahnsteig hin, ich auf meinen Internatsstuhl, Hans auf einen Gepäckwagen. Als Tisch zum Verzehr der beim Kiosk jenseits der Hauptstraße drüben gekauften Futteralien (Fanta-Dosen, Snickers und Chipstüten) dient der Videokamera-Karton. Mit entsprechendem D-Zug geht es dann weiter "in die Freiheit" und wir sitzen am offenem Zugfenster. In Leer steigt Hans dann aus, ich bin 16:32 Uhr in Rheine [Anm.: Ich wartete dort auf meine Eltern, die mich per Auto nach Hause abholen kamen. ... Hm, überaus unbefriedigende Gefühle, weniger oder gar nicht konkrete Gedanken begleiteten mich an diesem Tag. Was eigentlich als freudiger, erlösender, sehr lange herbeigesehnter Abreisetag von Langeoog in die 'paradiesische' Heimat vorgesehen war, wurde ein Stückchen weit für mich zur Farce: Hans hatte sein Abitur, redete wiederholt davon, daß es das jetzt "für immer" mit dem Internat für uns gewesen sei und war natürlich dem Anlaß gebührlich befreit und guter Dinge. Ich schloß mich diesen Endgültigkeitsabschiedsautomatismen zwar an, empfand für sie - verständlicherweise - aber ... nichts; es lief eine Art Film, könnte man sagen. Ich befand mich, natürlich selbstverschuldet, aber nichtsdestotrotz, in einem gewissen mentalen Niemandsland, dem ich dann allerdings recht schnell wieder wegmigrierte, um Anfang August, nach den Sommerferien, zweckdienlich frisch und frei noch einmal mein Langeooger Internatslager und das letzte Kapitel meiner Schullaufbahn aufzuschlagen.].    

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