Zur Person

In dieser Rubrik möchte ich (mich) an diese und jene meiner Langeooger Internatszeitgenossen erinnern und ihr mir erhaltenes Bild in überlieferten Zitaten, 'typischen' Sprüchen und anderen von mir damals so wahrgenommenen 'Charakteristika' reflektieren lassen.

Sie alle und alle hier nicht Erwähnten, mit denen ich während meiner vier Internatsjahre (mehr oder weniger) zu tun hatte, sind unvergessen.

(Rubrik in Aufbau.)

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Lehrer

Herr Ahlvers

Fächer: Mathe, Chemie (außerdem Heimleiter in der Hanse)

Herr Ahlvers löste nach unserer Jahrgangsstufe 12 im August 1986 Herrn Guthmann als Mathematiklehrer in LK und GK ab. Sein Unterricht war immer sehr entspannt-leger und - verglichen mit dem Unterrichtsstil des Herrn Guthmann - als überaus 'antiautoritär' zu bezeichnen.

Zitate & Sprüche: "Das hebt sich weg."( = Das kürzt sich weg.) / Während seiner Rechenausführungen an der Tafel: "6 mal 6 sind 36, nich'?!" (23.09.'86) / "Wir können uns diese ganze Streberei gegen Unendlich auch schenken." (05.01.'88) / Während der plastischen Erläuterung eines Sachverhalts: "Ich muß über die Tischkante hinwegdenken." (11.11.'86) / Beim Rechnen an der Tafel: "Wenn ich jetzt durchmultipliziere, krieg' ich 'n ziemlich großen Otto." (14.11.'86) Mit dem 'Otto' war ein unvorteilhaft langer, sperriger Bruch gemeint. ... Klar, was sonst?! / Vergleichbare Problematik: "Ich krieg' 'n Riesenwust mal u2."(14.11.'86) / "Das ist wirklich wichtig, dieses Hin- und Herformen." (14.11.'86) / " ... und zwei [Vektoren], die was mit Mü am Hut haben." (13.01.'87) / Irgendeinen Sachverhalt unter Körpereinsatz erläuternd: "Der kürzeste Abstand wäre ... ich hab' jetzt keine dritte Hand." (09.12.'86) / Bei einer gleichfalls extremitätenunter-stützten Veranschaulichung: "Bißchen kurz, die Finger hier." (25.11.'86) / Kommentare zu seinen zeichnerisch-rechnerischen Ausführungen an der Tafel: "Schwubbeldiwupp!" (14.01.'88) und "Hups, hups, hups, hups ... zack!" (09.01.'87) / "Wir ziehen einfach schnöde die Wurzel." (17.03.'87) / Bestechend einleuchtend: "Wo ich keinen Radius habe, habe ich auch keinen Kreis." (19.12.'86) / "Ich verlängere die Ebene eben." (12.12.'86) / "Olaf möchte gerne noch eine Gerade haben. Kriegt er auch." (16.12.'86) / "Das ham wa nie besprochen, das werden wa nie besprechen, das gibt's nämlich gar nicht." (04.03.'88) / " ... weil 3c² nach Null abgelitten wird." (07.01.'87) Die "Ableitung" im mathematischen Sinn ist ein Begriff aus der Differentialrechnung, und da das Ableiten manchmal durchaus etwas 'leidig' sein konnte, sagte Herr Ahlvers hin und wieder "abgelitten" statt "abgeleitet". / Auf den Beitrag eines Schülers hin: "Das kenn' ich sowieso schonmal gar nicht." (03.12.'86) / Als während einer Diskussion schließlich das ursprüngliche Anliegen bei einer Problemstellung verlorenzugehen droht: "Wat wollnwa eigentlich?" (06.01.'87) / "Ich werd' weich!" (23.09.'86)

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Herr Block

aka: "Raimund Blockstorf", (eigtl. nur von Oliver und mir:) "Big Jim" (in Anlehnung an die Action-Figuren dieses Namens der 70er, die oft einen gleichartigen Bart trugen), "Ray Block" und "Jim Baxter" (nach einer Figur aus der Unterrichtslektüre). ... Ich dachte lange Zeit, er hieße wirklich Raimund mit Vornamen!!  Daher auch "Ray Block".

Fächer: Englisch, GK.

Herr Block war für mich persönlich zusammen mit Herrn Guthmann der größte Motivator unter den Lehrern und neben Herrn Guthmann und Frau Heidekrüger mein Lieblingslehrer. Sein Stil war nicht autoritär, aber bestimmt und souverän, ... und immer mit einer auflockernden Portion Humor versehen.

Zitate & Sprüche: "Stop talking, Jesus Christ!!"(21.04.'88) / Zu seiner Beschäftigung mit der Hausaufgabe (o.ä.) von Oliver, der gerne lange, verschachtelte Sätze schrieb: " ... ein Entzerren von Bandwurmsätzen." (05.11.'86) / "Vor den Ferien müssen irgendwie Auflösungserscheinungen gewesen sein." / Dialog in Hinblick auf eine kommende Schüler-Lehrer-Zusammenkunft: Thies K.: "Gibt's auch Kaffee und Kuchen?" - Block: "Wenn Sie mitbringen, ja." (04.05.'88) / "DASH my RAGS!" - Als in Englisch ein Schüler beim Lesen eines Textes für Herrn Blocks Geschmack entsprechenden Ausruf etwas zu emotionslos-unbeteiligt zitierte, intervenierte letzterer und trug ihn der Lesestoffsituation angemessen laut-dramatisch vor. ... Ich weiß nicht mehr, um welchen Text es ging, aber "Dash my rags." 'blieb hängen' und ist bis heute in meinem aktiven Wortschatz verankert.

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Pastor Döpkens

aka: "Döppi" (Udo)

Fächer: Religion. Gleichzeitig war er Pfarrer in der katholischen St. Nikolauskirche am Rande der Dünen, deren Turm im Volks- bzw. Internatsmund ob seiner extravaganten Gestaltung mitunter als "Nonnenrutsche" bekannt war.

Herr Döpkens hatte eine charakteristische Aussprache der Endsilbe -ion bzw. -tion, was wir gleich zu Beginn meines ersten Schuljahres dankbar aufgriffen. Prominente Beispiele: "Rellijoun", "Inkarnassioun", "Repetissioun" oder "Generassioun". ... Meine 1984er Döpkens-Parodien im kleinen Kreise sorgten dabei für manch heitere Momente.

Herrn Döpkens Unterricht war in hohem Maße vergnüglich und unterhaltsam, was aber weder in seiner Absicht lag noch und schon gar nicht mit den Unterrichtsthemen zu tun hatte. Es war auch nicht der Unterrichtsstil an sich. ... Nein, es war ausschließlich Herrn Döpkens ihm selbst sicher verborgene Fähigkeit, sich die 'wahnwitzigsten' Fallbeispiele und Ausmalungen zur Erläuterung von Unterrichtsproblematiken einfallen zu lassen und dazu noch Wörter aus ganz anderen Themenfamilien in seine Ausführungen einzubauen. Es fiel mir manchmal wirklich nicht leicht - mit unterdrückten Lachtränen in den Augen - zu höchst ernsten Themen wie z.B. "Euthanasie" (!!) auch ein angemessenes Gesicht zu wahren und die Gesichtsmuskulatur unter Kontrolle zu halten, wenn Herr Döpkens, hineingesteigert in seine Ausführungen, zufällig gerade mich anstarrte. 

Einige seiner Wortkreationen, die es besonders Udo und mir angetan hatten und die in unseren aktiven Wortschatz eingingen: "Schiebewagen" (ich meine mich zu erinnern, daß damit ein Gefährt umschrieben wurde, welches unlängst Verstorbene transportiert), "Überfäller", "Schnuppersinn", "aufnotieren", "anempfehlen" und "überkontrollieren". Weitere Beispiele: "sich zurechtkennen", "erlebnistief" sein und sich in jemanden "hineinversenken".

Etwas eigenwillig waren auch Herrn Döpkens' 'Tafelbilder', die häufig dann entstanden, wenn er sich ein wenig in 'Rage' geredet hatte und lediglich dazu dienten, seinen Vorträgen Nachdruck zu verleihen. Z.B. schrieb Herr Döpkens einmal die römischen Ziffern I, II und III untereinander an die Tafel, aber dann nichts weiter dazu.

Zitate & Sprüche:

"Ich laß dieses Buch mal durch die Gegend wandern." (30.10.'87) - Seine Wortwahl für 'herumgehen'. / "Es ist ein Gebiet, da müssen wir uns erst hineinfressen." (08.08.'87) / "Sie kommen ja im Jenseits mit den Problemen an." (14.08.'87) / "Jetzt mutig weiter!" (14.08.'87) / " ... Lärm und Gedönse und Manipulassioun." (21.08.'87) / "Sie lügen da durch die Gegend." (24.04.'86) / "Das Niveau, das is' ja low people!" (31.10.'87) - Und damit meinte er - bestimmt zurecht in dem Moment - seine Klasse. / "Hah, sind das alles schwere Geburten!" (06.11.'87) / (zum "verkoksten Gottesbild":) "Da sitzt da so'n alter Opa auf'er Weltkugel ..." (28.11.'87) - Er meinte wahrscheinlich "verkorkstes Gottesbild" ... / "Omnia mihi schnuppe est." (04.12.'87) / "Lesense mal einfach von oben nach unten." (12.12.'87) / "Und durch Lesen seh' ich ja Worte." (12.12.'87) / Zur (Abitur(?)-) Klausur: "Es kommt ja nur das, was wir zum Kotzen wiederholt haben." (02.02.'88) / "Es gibt Leute, die sehen auf jedem Kohlblatt sieben Teufel sitzen." (10.03.'88) / "'N Tier brütet 'n Weltallei aus." (15.04.'88) / "Wir haben ja auch nach Immanuel Freud gesagt ... " (27.02.'88) / " ... die große Erbsensuppe zwischen Theologie und Naturwissenschaft ..." (15.04.'88) / 'Wenn die anderen auch inne Pfützen springen, lasse doch inne Pfützen springen.' / "... dann hamse gutes Rüstzeug für die Klausur." / 'Lernen Sie das jetzt ein.' / Als Marc Widdel zum x-ten Mal nicht zum Unterricht erschien: 'Fehlanzeige! Den trifft man in ganz Deutschland, nur nicht im Unterricht.' / Kommentar bei der Rückgabe von Hausaufgabenzetteln: "Sie ham 'n ganzen Packen abgegeben, dann bekommense auch 'n Packen zurück." (03.07.'86) / Bei der Erläuterung zur Zusammensetzung einer Benotung bei der Notenbesprechung: "Sie haben im Karree Drei." (03.07.'86) - ... for whatever that means. / Bei der Notenbesprechung am Ende der Klasse 12 kam es zum Eklat (siehe unten). Ein Satz des recht aufgebrachten Herrn Döpkens zur Bekräftigung seines Standpunktes: "Das steht hier alles zu Papier!!" (03.07.'86) / Auf die Nachfrage eines Schülers, wo denn seine zuvor abgegebene Hausaufgabe sei: "Hier aus'er Tasche, da kommt nix raus." (12.06.'86) / Einmal sprach Herr Döpkens in irgendeinem Zusammenhang vom 'intakten Gewissen'. Als ein Schüler fragte, was das denn wohl sei, antwortete er: 'Das Gewissen, das tackt! Tick Tack! Tick Tack!'  / Bei der Notenbesprechung: "So, sind da jetzt Anfragen an den Bundestag?" (16.01.'88) / Es ging wohl um den Preis für irgendein Buch: " ... ist also erschwinglich für jedermensch." (30.10.'87) / Bezüglich eines Menschen, der 'nur' noch künstlich am Leben erhalten wird: "'N Tier isses auch nich', 'ne Pflanze isses auch nich', 'n Mensch isses auch nich'." (08.08.'87) / "Wir sind ja schonmal in der Schwarzwaldklinik gewesen." (21.08.'87) / Zum Thema Egozentrismus: "Und der kreist immer um sich und der kreist immer um sich und schon ist es passiert." (05.03.'88) / "Reibungslos fließt der Wagen, ohne daß Ampeln kommen und so weiter." (15.04.'88)

Einige ganz wenige Beispiele / Stichworte / Fragmente seiner erläuternden Fallbeispiele (ich kam leider nie mit, die jeweils ganze Story aufzuschreiben und weiß auch meist nicht mehr, was konkret hier veranschaulicht werden sollte):

"Wenn Sie mal Gefängniswärter sind später [...] und plötzlich schreit einer auf [...]." - ... Klar, wer geht nicht mit dem potentiellen Berufsziel Gefängniswärter ins Abi?!  / Im Sommer, wenn der Leichenzug durch Langeoog geht ... / Pfadfinder zelten am Friedhof und werden von den Anwohnern verjagt. / Bezüglich einer Mutprobe bei Pfadfindern: Man geht durch den dunklen Wald, wo Strohpuppen in den Bäumen hängen, Scheinwerfer installiert sind und sich jemand "als Eidechse verkleidet" hat.  / Jemand fährt im Traktor über den Acker, reißt ganz plötzlich das Steuerrad herum, der Traktor kippt um und der Jemand ist tot. / In einem Fallbeispiel wurden - vergeblich übrigens - 'die dicksten Bücher aus'er ganzen Schweiz' bemüht, um irgendeine These zu stützen ... wobei die Schweiz im Beispiel ansonsten überhaupt nicht vorkam. 

Udo und ich amüsierten uns immer königlich über derlei Geschichten; NIE über Herrn Döpkens selbst, das sei betont.   

Eines Tages im letzten Schuljahr hatte ich gar einen Cassettenrekorder mit in den Unterricht gebracht, um mit diesem - getarnt / verdeckt durch meine Jacke auf dem Tisch - mal ein Tondokument aufzuzeichnen. ... Die Wiedergabequalität / Verständlichkeit war dann hinterher aber wohl zu schlecht, sonst hätte ich die Cassette ganz sicher noch irgendwo!! 

Und hier noch zwei durchaus philosophische Gedanken von Herrn Döpkens zu den Themen Hölle und Himmel: Daß es eine Hölle gibt, wisse man. Nur ob auch jemand drin ist, das wisse man nicht. // Wie es im Himmel aussieht, das wüßten noch nicht einmal die Engel.  

Ich glaube, es war eigens zum Festhalten seiner Sprüche geschehen, daß ich mir ein Religionsheft zulegte. ... Da Religion im Abi '88 letztlich auch mein drittes Prüfungsfach war, aber auch sonst eine durchaus sinnvolle Investition. Der Übersicht halber markierte ich Einträge darin, die konkrete Fachrelevanz hatten und die dann zum Ende des Schuljahres häufiger auftauchten, mit einem "I" (für Inhalt).  

Herr Döpkens benotete nach eigener Aussage stets "gerecht und barmherzig", und das stimmte auch. Mag sein, daß dies auch die Grundlage seines oft zitierten "Bewertungsschlüssels" war.  ... Jedenfalls hatte niemand, der auch nur ein absolutes Minimum an Leistung zeigte, irgendwas zu befürchten. Die mündliche Beteiligung nannte er stets das "Mittun" (Beispiel: ' ... dann kriegense im Mittun ein Sehr Gut angeschrieben.').

Nach Ablauf des Schuljahres 1985/86 legte Herr Döpkens, schwer enttäuscht vom Betragen seiner Schüler (Stichwort: "Sie behandeln mich ja wie’n kleines Kind!") den Schuldienst nieder, kehrte dann aber nach einjähriger Pause für das letzte Jahr 1987/88 doch noch einmal – segensreicherweise – in Amt und Hochwürden zurück. Während der Notenbesprechung am 03. Juli 1986 kam es zu einem Eklat, der möglicherweise das Faß seiner Geduld endgültig zum Überlaufen brachte: Infolge einer Meinungsdifferenz zwischen Herrn Döpkens und Rüdiger Schmidt, der sich in seiner Benotung benachteiligt wähnt und wohl mit Döppis Bewertungsschlüssel nicht einverstanden ist, steht letzterer schließlich von seinem Sitzplatz auf und verläßt kompromißlos und ohne weiteres den laufenden Unterricht. Während er auf die Tür zusteuert, redet Döpkens noch auf ihn ein: "Herr Schmidt, wenn Sie (jetzt) gehen, hat das BITTERE Konsequenzen!". Rüdiger schließt unbeeindruckt von alldem die Klassentüre hinter sich und ist also weg, trotzdem spricht Herr Döpkens noch ein, zwei mahnende Takte in Richtung geschlossener Türe an Rüdigers Adresse weiter. ... Der genannte Satz erreichte bei Udo und mir schnell Kultstatus.

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Herr Guthmann (Oberstudiendirektor i. Pr.) (... hieß das 'in Preußen'? )

aka: "Benny" (allgemein), "Die Echse" (Andreas Riedel), "Jean Bonhomme", "Chudemans" (niederländischer Tonfall, angelehnt an den belgischen Fußballspieler Jan Ceulemans) und "Der gute Mann" (letztere drei Umschreibungen von Hans & mir)

Fächer: Mathe ( ... desweiteren Schul- und Internatsleiter).

Zitate & Sprüche: (Anweisungen an Schüler an der Tafel:) "Zeigen Sie bitte mit beiden Händen." und "Sprechen Sie (bitte) dazu!" / "Das muß nicht nur nicht, das DARF nicht!" / 'Das ist ja so unwürdig!' / "Das ist ja Unsinn, das ist ja Superunsinn!" (zu Hans' und meinen Ergebnissen bei einer Hausaufgabe) / "Gerade von IHNEN hätte ich das nicht erwartet." / "Da hab' ich ÜBERHAUPT kein Verständnis für!" / "Gleichungslehre Klasse 7 Sonderschule, was macht man da?" / "Wenn Sie Symmetrie mit zwei 'M' geschrieben haben, hamse schonmal einen Punkt." / "Wann lernen Sie das?!" / "Das sieht zwar lustig aus, Alexander, aber es stimmt nicht." (01/88) / "Einmal Eins, Frank!" (15.01.'88) / 'Was heißt, sie können das nicht? NATÜRLICH können Sie das!' /  'Das kann man gar nicht nicht können.' 'Irgendwann verbiet' ich das 'Ich weiß das nicht.'!' / 'Dann sagen Sie mir jetzt wenigstens, WARUM Sie das nicht wissen.' / 'Sie wissen aber, daß das Unsinn ist, was Sie da sagen?!' / 'Das hat keinen Zweck, daß Sie das glauben, Sie müssen das verstehen.' / (zu Elvis an der Tafel:) 'Zwölf Achtel schreiben Sie mir nicht hin!' / 'Das ist aber ein lustiger Graph.' / "Und richtig? ",  ... der entsprechende Schüler gibt eine Herrn Guthmann nicht zufriedenstellende Antwort, selbiger bohrt weiter ... "Und ganz richtig?" (01/88) / Wenn ein Schüler unserer Abitur-Vorbereitungsstunden im Januar 1988 aus einer komplexen Zahl die Wurzel ziehen will, 'droht' Guthmann scherzhaft mit einem "Jahr Taschengeldentzug" und "Aberkennung der Hochschulreife".

"Bitterböse", "ungehörig" und "unwürdig" übrigens waren Vokabeln, die Herr Guthmann benutzte, wenn es um Verstöße von Schülern gegen Schul- und Internatsregeln ging.

Herr Guthmann hatte drei Söhne: Fritz (Abi '86), Peter (Abi '88) und Axel (Kl. 11 (1987/88)). In Anspielung auf die Mathematik (Differentialrechnung) nannten Hans und ich sie scherzeshalber seine erste, zweite und dritte Ableitung.

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Herr Hashagen

aka: "Haschkragen", "Dopemagen" (der erste Name ist lediglich ein Homophon zu 'Hashagen' und der zweite eine Abwandlung davon ... ausdrücklich keine weiteren Zusammenhänge!!). Ein weiteres Homophon zur Anfangszeit 1984 war "Hassan". Desweiteren gab es noch die Bezeichnung "Henry" oder auch "ein halber Henry" (von mir und Oliver, inspiriert durch die Einheit der Induktivität).

Fächer: Physik, Sport, Musik.

Zitate & Sprüche: "Teilchen und Teilchen ergibt kein Teilchen." (20.03.'87) / "Im Prinzip haben Sie recht, aber Sie können auch unrecht haben." (06.05.'87) / "Das ist falsch bis richtig." (06.03.'87) / "Stellen wir uns mal so dumm, wie Maxwell es war." (16.09.'87) / "Der Unterschied zwischen Eins und Zwei ist sehr groß." (31.10.'86) / Zum Thema Klausur: "Schreiben Sie die nächste bitte so, daß ich nicht lachen muß." (16.01.'87) / "Hausaufgabe: Samstag wiederkommen." (08/87) / Zu Reza: "Und da ist der Lichtstrahl von den bösen Glasmännchen aufgefressen worden?!" (16.04.'88) / In Bezug auf das Fehlen eines Schülers: "Dirk hat erstmal für die nächsten Tage das Zeitliche gesegnet." (27.04.'88)

Oliver und ich hatten desöfteren großen Spaß in den Physikstunden, v.a. dann, wenn das aktuelle Thema gerade an uns vorbeilief. Geradezu zum Kringeln waren die Unterrichtsbeiträge beim Thema "Digitale Elektronik". Beispiele: Heiko: "Weil noch'n zweites Low von unten reinkommt." (09.01.'87) / "Von hinten high und von unten low." (Wer?) (09.01.'87) / Hashagen: "Und der erste ist auch nicht high." (16.01.'87) ... . Ich habe das Thema nie verstanden ... von Anfang an nicht! Äußerst dummerweise war es dann auch noch Prüfungsthema meiner mündlichen Abi-Prüfung Anfang Juni '87. S*** happens!!

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Frau Heidekrüger

Fächer: Französisch, Deutsch. 

Nach der "Großen Revolution" wurde mir von Seiten Herrn Guthmanns ermöglicht, nach fast zwei Jahren Pause hier auf Langeoog nun wieder Französisch als Unterrichtsfach nehmen zu können. Um in den laufenden Kurs bei Herrn Lange einsteigen zu können, benötigte ich zuvor (und wohl anfangs auch parallel) Materie-'Auffrisch-Einheiten', für welche Frau Heidekrüger vorgesehen war. Zu konkreten Vereinbarungen traf ich sie Februar / März 1986 erstmals, im Dienstzimmer oben im Wiking. Diese Französisch-'Auffrisch-'Stunden fanden dann jeweils entweder in ihrer damaligen Wohnung im EG des "Deernshörn" oder im kleinen Raum der Bibliothek des Gymnasiums statt. ... Wenn ich auch am jeweils selben Tag - ausschlafmotiviert - mal eine Unterrichtsstunde ausfallen ließ, zu den Französisch-Einheiten bei Frau Heidekrüger ging ich stets und sehr gerne. ... Nach dem verpaßten Abi '87 hatte ich sie dann im Schuljahr '87/'88 schließlich auch schulkonkret als Französischlehrerin, was mir sehr gefiel. ... Ich muß zugeben - und es sei mir hoffentlich erlaubt oder nachgesehen - daß ich damals ein (ganzes) Stück weit in sie verknallt war. ... Tja, c'était la vie!  

Frau Heidekrüger hatte eine betont französische Aussprache und ich glaube, ihr Unterrichtsstil war manch einem ein wenig zu ... sagen wir mal streng. Ich selbst kam mit ihr jederzeit bestens klar und konnte - unter einem gewissen Protest von Alex Wörz, welcher aber nichts änderte - die Klasse 13 mit vollen 15 Punkten abschließen. ... Salutations cordiales, liebe Frau Heidekrüger!!

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Herr Helmer

Fächer: Erdkunde, Biologie ... und als sog. "Oberstufenkoordinator" sozusagen 'zweiter Mann' im Gymnasialschulgefüge.

Zitate & Sprüche (die er meist in seinen nicht vorhandenen Bart nuschelte):"Bidde mal, ja?!" / "Ja, nu!" / "Das geht gar nicht oder überhaupt nicht." / "Mündlich ist das eloquent." / 'Dürfte klar sein.' / (Von Hans aus seiner Klasse zeitgenössisch überliefert, als Herr Helmer sich ob irgendeines Sachverhaltes erzürnt hatte:) 'Sie mit Ihrem Lubbi-Labbi!' ... 'Ich frag' Sie (ja) auch nicht, wie der Spinat aufs Dach kommt.' / Vokabel während der Arbeitsstunde: "gräuselig".

"Eloquent" war eine typische Vokabel von Herrn Helmer, der gerne mal "Epochalnoten" verlas. Ebenfalls gerne erzählte er Stories von seinem ehem. Professor in Göttingen. Hin und wieder drohte er den den Unterricht störenden Schülern mit einem "Stundenprotokoll".

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Herr Horb

aka: "Franzl"

Fächer: Geschichte, Latein, GK, Werte und Normen (WN) ( ... hieß bei mir treffender "Worte und Nerven")

Zitate & Sprüche: "Dich hackt's wohl, Mensch!" / (galgenhumorig in Anspielung auf den Umgang mit seiner Rolle als Autoritätsperson:) "Bei uns ist die Gewaltenteilung nicht konsequent durchgeführt." (07.11.'86) / "Könnt ihr nicht aufhören zu lachen, ihr Idioten?" (10.09.'86) / "Ich schlag' euch irgendwann mal aus den Socken." (15.08.'86) / "Aber stört hier nicht das ganze Zeug hier." (20.03.'87) / "Blödsinn'ges G'schwätz!" (15.11.'86) / "Jaa, das steht da da!" / "Du kannst mir nicht folgen?! Dann mußte dableiben!" (18.12.'86) / "Das is g'hupft wie g'sprungen." // Dialog: Alex W.: "Herr Horb, sagen Sie doch mal was!" - Horb: "Quatschköpfe!" (15.11.'86) / In WN: Alex W.: 'Gregor ist krank, ham' Sie das vernommen, Herr Horb?' - Horb: "Hab' ich vernommen, allein mir fehlt der Glaube!" (1986/87)

Der arme Herr Horb hatte es wahrlich nicht leicht mit uns ... Hin und wieder verwies er Störenfriede "ins hint're Eck" der Klasse.

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Herr Lange

aka: "Karlchen", (bei Hans und mir auch) "Karl der Lange"

Fächer: Französisch, Geschichte.

Zitate & Sprüche: (zu Marc Widdel und mir, als wir während der Arbeitsstunde Schach spielen:) "Ich hab' schonmal Pferde kotzen sehen vor der Apotheke." (04.11.'86) / "Saufen kommt noch viel teurer, brauchste mir doch nicht zu erzählen." und "Ich fahr' doch nicht mit euch ins Nonnenkloster." (beides während der Besprechung zu einer angedachten Klassenfahrt nach Rom, 14.11.'86) / (nach der Notenbesprechung:) "Wer Beschwerden hat, komme bitte gleich, nach Ende der Sendung." (30.04.'88) / (beim Thema Motivation:) "Es kommt auf'n Bock nicht drauf an." (05.08.'87)

Karl war leidenschaftlicher Gauloises-Raucher. Sein großer, tapsiger, schwarz-weiß-gefleckter Hund "Ecco" übrigens verstand nur Französisch ... was auch sonst?!

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"Larry"

aka: Ulrich Reiff

Fächer: Kunst, Französisch (nur Anfang der 1970er Jahre)

Zur Internatslegende "Larry" können aus eigener Erfahrung andere (z.B. er selbst) natürlich füllhorngleich mehr erzählen. ... Zu meiner Anfangszeit war er jedenfalls Kunstlehrer für die Mittelstufe und 'Spiritus rector' des generationenübergreifend allseits bekannten "Meeting-Centers" gleich vorne am Eingang der Oberstufe vom Internatshof. Ich habe ihn noch gut in Erinnerung, wie er allen niedrigen Temperaturen trotzend stets in aufgekrempelten Hemdsärmeln den Plattenweg vor unseren Doppelfenstern entlangschritt, meist (oder immer?) in Schwarz gekleidet.

Im März 1985 verließ er nach über fünfzehn Jahren Schule & Insel und siedelte nach Berlin über, wo ich ihn in den kommenden Jahren ganze zwei Mal (!) zufällig auf dem Kurfürstendamm erblickte.

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Herr Wiedel

Fächer: Chemie.

Zitate & Sprüche: "Was zunächst ist ein Atomrrumpfff?" / "Quatsch' nicht durch die Gegend!" und "Du sollst die Klappe halten!" (beide Anweisungen waren an den gleich in (einer) der ersten Reihe(n) sitzenden Ralf Esser gerichtet, der, wenn auf Wiedels Fragen zunächst allgemeines Schweigen folgte, sehr oft unaufgefordert die richtige Antwort lieferte) / (auf die - irgendwie völlig überflüssige - Frage eines Schülers hin, wie man denn wohl "Genfer Nomenklatur" zu schreiben habe:) 'Wie Gennff geschrieben wird, weißte ja ...' / (auf die endlich richtige Beantwortung einer seiner Fragen:) 'Gott sei Dank, ich hätt' mich beinah erschossen!'

Herr Wiedel hatte infolge eines Unfalls bei einem chemischen Versuch ein Glasauge. Auf diesen Sachverhalt bezieht sich eine Begebenheit, die wohl noch mindestens bis in die 70er Jahre datiert, als ein Schüler Herrn Wiedel um ein "Gespräch unter drei Augen" bat. Diese Geschichte, von der mir nichts Näheres bekannt ist, war noch zu meiner eigenen Zeit legendär. 

Damals hieß es unter den Internatlern, Herr Wiedel sei (sehr) dem Alkohol zugetan, weshalb wir ihm unterstellten, die 'alkoholische Gärung' sei sein Lieblingsthema. Dazu malten wir uns auch aus, wie er mit leicht zitternder Hand ein Reagenzglas hält und den Schülern sagt: 'Dieses Reagenzglas darf nicht geschüttelt werden!' ... Beides ausdrücklichst ersponnen!!

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Herr Wierzenko

Fächer: Deutsch, Kunst.

Zitate & Sprüche: Auf die Frage eines Schülers hin, ob er (der Schüler) angesprochen sei: "Ich korrespondiere nicht mit der Steckdose." (17.09.'86) / In Reaktion auf die aus seiner Sicht unzureichende Aussage eines Schülers: "Das find' ich 'n bißchen zu schnurzpiepelig." (26.11.'86) / Ebenso motiviert: "Ach, Marcel, hör'nse auf. Das is' 'n Schuß innen Ofen." (26.11.'86)

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Zitat Lehrer "X" über Lehrer "Y" (12.11.'86): "Es is' zwar fies, über einen Kollegen zu lachen, aber über den kann man nur noch lachen." (Wir belassen es hier fairerweise bei den anonymen Bezeichnungen X & Y; die Aussage war sicherlich auch nicht ganz ernst gemeint.)

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Schüler

Christian B.

aka: "Spätzle" (allgemein), von Oliver und mir in seiner Abwesenheit auch liebevoll "Ätzle" genannt. Alex Wörz nannte ihn "Kurzen" oder "Punk".

Zitate & Sprüche: "Wer überlegt sich eigentlich so'n Scheiß?" (in Mathe, 11.11.'86) / "Ja, was kann denn die Röhre groß?" (in Physik, '87) / "Da kann ich mich auf'n Langeooger Bahnhof setzen und versteh' das gleiche." (in Mathe, 08.03.'88) / Dialog in Mathe, Spätzle an der Tafel: Alex Wörz: "Hey, Punk, hast Du das ganz alleine rausgekricht?"- Spätzle: "Halt's Maul, Du Arsch!" (21.04.'88)

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Carsten D.

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Martin G.

aka: "M.G." (nur von Lächler und mir)

Wann genau Martin als Internatsschüler in unseren Oberstufenflügel Einzug hielt, weiß ich nicht (mehr), jedenfalls wohnte er bereits im Schuljahr 1986/87 als 12er-Schüler in dem kleinen Einzelzimmerchen der "Oberstufe I" (OG), welches separat vom Schülerflur im Winkel von Ost- und Mitteltrakt nahe der Treppe situiert war und welches Lächler und ich später den "Affenkäfig" nennen sollten. Martin kam aus dem süddeutschen Raum, war Vegetarier und - soweit von mir wahrgenommen - zeit seines Internatsaufenthaltes 'bekennender' Einzelgänger, der sein eigenes Internatsleben lebte und der sich mit einer Ausnahme freizeitlich nie zu anderen gesellte; diese Ausnahme stellte Hans' und mein Zimmer 45 dar, wenn Martin hin und wieder vorbeischaute und auch mal mit in die TV-Röhre glotzte. Martin war ein durchaus netter Kerl, wirkte auf uns in seiner ganz eigenen Ausdrucksart dabei immer ein Stück weit verschroben-sonderbar, ganz ohne Wertung; da Hans und ich ja unsere eigenen Macken und Spleens kannten, blieb dieser Eindruck natürlich wohlwollend-neutral.

Im letzten Schuljahr (1987/88) waren Martin und ich - während ich die Klasse 13 wiederholte - dann in einer Jahrgangsstufe, hatten verschiedene Kurse gemeinsam (En LK, Rel u.a.) und auch in der Freizeit desöfteren miteinander zu tun (Einkaufsgänge ins Dorf u.a.). ... Gleichzeitig aber hatten Lächler und ich ihn uns als 'Opfer' für ein, zwei Späße unsererseits ausersehen, die Anfang Mai '88 im heute von mir so genannten, idiotisch-destruktiven "Attentat auf M.G." [siehe dort] gipfelten, über welches ich nach all den Jahren nur befremdet den Kopf schütteln kann.

Martin hüllte sich gerne in den ganz spezifischen Odeur von Rosmarinöl, welcher nicht für jeden auch einen Wohlgeruch darstellte, was in meinem Fall dazu führte, daß ich jedesmal lüften mußte, wenn Martin zuvor mein Zimmer besucht hatte. Gerold K. inspirierte der von Martin verströmte Duft gar zu einem imaginären, Martins Nachnamen aufgreifenden "Gaißer-Zähler", einer Apparatur mit Nase vorne dran, welche die Intensität jenes Duftes messen sollte.

Martin war abends sehr häufig als Nachhause-Telefonierer am Flurtelefon auf dem Tisch gleich neben seinem Zimmer anzutreffen. Außerdem bereitete er sich während der Arbeitsstunde gerne Spaghetti mit Tomatensauce und Parmesankäse in der Gruppenraumküche zu, weswegen Herr Horb ihn auch "Parmesanmonster" genannt haben soll.

Zitate & Sprüche: "Vollblutidiot!" / 'Ich schmeiß' Dir auch mal 'n Stein in'n Garten.' (Hieß soviel wie: Eine Hand wäscht die andere.)

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Andreas G.

aka: "Brille"

Zitate & Sprüche: Small Talk auf'm Internatsflur: Brille:"Thies, geht's Dir mies?" - Thies:"Nö." - Brille:"Freut mich für Dich." - Thies: "Mich auch." (87/88) / 'Schieb bloß nicht den Mac!' (1986/87 beim Abendbrot, wohl auf den Aufreger eines Nahrungskonkurrenten hin. ... Gleichbedeutend mit: Nun sei mal friedlich! ... Den Spruch habe ich bis auf den heutigen Tag nicht noch einmal gehört.)

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Heiko G.

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Jochen H.

Jochen kam - wenn ich mich recht entsinne - aus Hamburg und teilte sich zu meiner Anfangszeit 1984 das Zimmer 41 unten mit Oliver, wobei das Ganze allerbestenfalls eine Zweckwohngemeinschaft gewesen sein konnte und die gegenseitigen Sympathien wohl bei Null lagen. Ich erinnere mich noch daran, wie Oliver und ich eines Tages im Zimmer an einem Schachspiel saßen, entweder dazu Jochens Schreibtisch miteinbezogen hatten oder irgendetwas auf seinem Schreibtisch derangiert war und Jochen sich bei seinem Erscheinen fürchterlich über das Antasten seiner Zimmersphäre gegenüber Oliver aufregte.

Jochen ließ jeden wissen, daß er des Thai-Boxens mächtig sei und wirkte auf mich damals - er verzeihe mir heute den Eindruck - ein ganzes Stück weit arrogant. - Sein erklärter 'Feind im Geiste' war übrigens Malte (Stichwort: "Ich schlag'n dout!" ... siehe unten).

Spätestens Januar 1985 verließ Jochen das Internat bereits wieder.

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Sven H.

Im Schuljahr 1986/87 bewohnte für relativ kurze Zeit ein neuer 12er-Schüler namens Sven H. unseren Oberstufenflügel. Aus unserer beiläufigen Betrachtung heraus nannten Oliver und ich ihn intern "Hugo Boss" oder schlicht "Hugo", da er uns äußerlich / von seiner Kleidung her ein ganzes Stück weit an jene geschniegelten Herren-Models aus entsprechender Werbung erinnerte. Sven war ein überaus freundlicher und verbindlicher Typ und hatte im Rahmen dieses Wesens die Eigenschaft, überdurchschnittlich häufig "Hallo!" zu sagen. Das äußerte sich dann z.B. in folgenden Situationen: Oliver kommt über den Flur am Waschraum vorbei, wo sich Sven gerade die Zähne putzt und trotzdem noch ein "Hallo!" herausbringt. / Ich sitze in meinem Zimmer, die Tür geht auf, Sven steckt kurz den Kopf rein, sagt "Hallo!" und ist schon wieder weg. Hä? ... Er hatte sich wohl schlicht in der Tür geirrt.

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Frank K.

aka: "(Der) Lächler", "D. L."

Der Lächler war während des letzten Langeooger Schuljahres (1987/88) mein hauptsächlicher Freizeitgefährte; er war zwar bei weitem nicht so erpicht auf Außenaktivitäten wie Hans, aber uns verbanden abgesehen davon genug gemeinsame Neigungen ... wie z.B. das Einkaufengehen im Dorf (vorlieblich "Speisekammer").

Auch Lächler und ich pflegten gewisse Traditionen (aus meiner Zeit mit Hans übernommen und neu generiert) und hatten intern-gemeinsame Eigenheiten; so teilten wir beide offenbar die Neigung, dem Trott des Internatalltagslebens hin und wieder dadurch ein Schnippchen zu schlagen, indem wir gewisse bewußt-überzeichnende Albernheiten an den Tag legten. So z. B. kauften wir uns eines Tages ca. Februar 1988 bei Eckart gemeinsam jeder einen von Weihnachten im Laden übriggebliebenen Schokoladen-Adventskalender, welcher beim Öffnen des großen Türchens in der Lage war, drei verschiedene Weihnachtsmelodien zu piepen und der außerdem als saisonal überholter Restposten zu einem sehr geringen Preis zu haben war. Diese beiden Kalender nun benutzten wir hinterher im Internat für den sogenannten "Code", was Folgendes bedeutete: Seinerzeit war es üblich, daß wir - wenn wir in unserem jeweiligen Zimmer im Bett lagen oder sonstwie keinen Störenfried ins Zimmer lassen wollten, unsere Zimmertüren abschlossen; beim Lächler beispielsweise kam es häufiger vor, daß wenn dieser gerade ruhte, 'gern' Reza an seine verschlossene Türe klopfte und unter den Worten "Frank? ... Mach mal bitte auf! ... Fraank!!" Einlaß begehrte. Die Adventskalender dienten Lächler und mir nun dazu, die diesen innewohnenden Melodien als Erkennungszeichen zu benutzen, damit der jeweils hinter verschlossener Tür Weilende gleich erkannte, daß 'gut Freund' davor stand. ... Ein simples 'Ich bin's.' hätte natürlich gereicht, aber das wäre ja viel zu banal-alltäglich gewesen .   

1988 drang im Internat mindestens aus Magnus' Zimmer 44 (meinem direkt gegenüber) häufiger der Chart-Song "Okay!" von OKAY über den Flur. Aus der markanten Textzeile "Das Allerschönste, was Füße tun können, ist tanzen." machten Lächler oder ich in Bezugnahme auf Franks gerngepflegte Bettruhe während des lichten Tages: "Das Allerschönste, was Lächler tun können, ist schlafen."

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Gerhard K.

aka: "GK"

Gerhard kam in der zweiten Jahreshälfte 1985 in die damalige Klasse 13. Er war ein hochintelligentes Kerlchen, eine Kapazität in Mathe und den Naturwissenschaften und konnte hin und wieder entsprechendem Lehrer sogar noch etwas vormachen. Ansonsten war er recht schweigsam, wirkte er auf mich immer etwas verloren / in scheinbar gegenseitigem Einvernehmen mit anderen ausgegrenzt. Ich sehe ihn noch vor mir, wie er in seinem Parka wie 'programmiert' - Oliver nannte es vor einigen Jahren vielleicht treffender 'ferngesteuert' - allein zwischen den Institutionen Internat, Schule und Essenssaal seiner Wege schritt.

Hans und ich formulierten zu Gerhard scherzhaft einmal Folgendes: "GK hat GK GK. ... Was verbirgt sich hinter diesem Kürzel?" ... Natürlich klar: Gerhard K. hat Gemeinschaftskunde Grundkurs. ... War halt ein kleiner Scherz am äußersten Rande. 

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Wolf-Jürgen K.

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Volker L.

aka: "Bauer Lüders"

Volker war ein - im bestgemeinten Sinne!! - rustikaler, sehr netter und unkomplizierter Bursche. Er war neben Hans mein erster Internatskumpel.

Er kam von einem Bauernhof irgendwo auf'm Deister, und dieser gehörte zu einer Ortschaft / einem Weiler / einem Dorf / einer Dorfbauernschaft / einer Gemarkung oder was auch immer namens Leveste.

Eine ganz typische Geste von Volker, wenn ihm jemand (z. B. Guthmann), dessen Meinung oder sonst etwas nicht gefiel, war die, daß er - eine Flak nachahmend - mit der linken Hand den ausgestreckten rechten Arm mit zur Faust geballten Hand hochkurbelte, diesen auf das gewünschte Ziel ausrichtete und unter Artikulation eines Schußlautes federnd zurückzog und wieder vorschob, was den Rückstoß der 'abgefeuerten' Kanone bedeutete. 

Folgende zwei 'Wahlsprüche' wurden von Volker auf Langeoog explizit vertreten: "Ohne Bauern keine Zukunft!", was er sich mal hinten auf seine Jacke geschrieben hatte, sowie: "Holsten knallt am dollsten!", zwischen zwei Schulstunden von ihm an die Tafel gebracht. 

Ich glaube, Volker war der einzige, dem Göbels Eisbeinballen mit Rundum-Speckpolster mundeten.

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Sascha Mings

aka: Einen dauerhaften Spitznamen hatte ich zwar nicht, jedoch wurden insgesamt drei verbale Erscheinungsformen mit mir verknüpft: Die erste war "Ouzo", stammte - wenn ich mich recht entsinne - von Olaf N. und bezog sich natürlich auf meinen Zuspruch dem gleichnamigen griechischen Klaren gegenüber (ca. Frühjahr 1985). Den zweiten Namen, "Mahatma", hatte sich in Anspielung auf mein Erscheinungsbild nach meinem Radikalhaarschnitt wohl auch Olaf ausgedacht (Juli 1985), wobei Marc ihn übernahm. Und schließlich gab es 1985 von Seiten Herrn Lamperstorfers noch die Bezeichnung "Gruftenmensch", die meiner Gewohnheit Rechnung trug, meine 'Schlafzelle' unseres Etagenbettes permanent mit Tüchern zu verhängen.

Ich war nie einer von denen, die im Unterricht viele Worte machten - im Gegenteil! - und abgesehen von meinen Lieblingsfächern Englisch, Mathe und Französisch war ich schulisch gesehen ein sehr schweigsamer Geselle, weshalb meine mündlichen (Nicht-)Leistungen auch regelmäßig die Gesamtnote im jeweiligen Fach drückten. Im November 1985 schaffte es Herr Wierzenko im Zuge eines von ihm erwirkten Ursachenzwiegesprächs mit mir immerhin, daß ich mich wenigstens im Fach Deutsch kurzzeitig aus der mündlichen Passivität bequemte.

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Detlef N.

aka: "Elvis", "E-Ted", (eher selten und wohl nur von Hans) "Dette"

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Olaf N.

Zitate & Sprüche: "Ich bin der Vogt!" (möglicher Zusatz:) "Und ich kann nichts dafür!" (weiterer möglicher Zusatz:) "Hilfe!!". Dabei - oder auch so - konnte es vorkommen, daß Olaf dem entsprechenden Adressaten dieser Nachricht(en) mit seinem Schlüsselbund vor dem Gesicht herumfuchtelte und dazu einen eigentümlichen Laut ("Heeeeeeh!") von sich gab. Was auch immer das alles zu bedeuten hatte: Jeder von uns hatte damals seine 'Momente' ... und diese hier gehörten halt ihm.

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Jens P.

Eine Situation: Setting: Morgens, Englischunterricht bei Herrn Block. Jens kommt zu spät, in die bereits laufende Unterrichtsstunde. Völlig gelassen und ohne jegliche Entschuldigungs- oder Erläuterungsabsicht sagt er schlicht "Tach auch!" und setzt sich wie selbstverständlich an seinen Platz.  ... Also, das hätte ich mich bei Herrn Block nicht getraut.

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Hans-Joachim Philipson

aka: "Hannes"

Zitate & Sprüche: "'Was tun?', sprach Zeus, 'Die Götter sind besoffen.'" / "Sinnig ... sinnig ... unsinnig!" / "Wenn Du jetzt noch einmal nichts sagst, sage ich zweimal alles." (04.12.'86) / "UV - Unter Verrückten." (16.12.'86) / Abrupt aus dem Schlaf erwacht murmelt Hans völlig verschlafen: "Ich denk', mich beißt der Papst." / "Der Mann, der vom Sofa ins Bett sprang." (16.12.'86) - Hans belegte die obere Koje unseres Etagenbettes und enterte diese mit einem Schwung bzw. Sprung hinauf. Diese Aktion nannte er "Mit Sport ins Bett.". / Wiederkehrender Kommentar zum daraufhin stattfindenden, entsprechenden Ereignis: 'Mein Großvater hat immer gesagt: Wer schläft, sündigt nicht.' / In Mathe bei Ahlvers: "Mein alter Mathematiklehrer hat immer gesagt ..." (19.12.'86) / Wiederkehrende Szene: Hans hält unvermittelt und ohne Vorwarnung jemandem sein Feuerzeug vors Gesicht, entzündet es im selben Moment und sagt zum verdutzten Gegenüber: "Die Erleuchtung!" / Hans(scherzhaft drohend):"Typ, ein Wort noch! Ein einziges!"- Oliver:"Apfel." - Hans:"Danke."(12/86) / Hans hielt einmal jemandem sein Miniaturklappmesserchen vors Gesicht und sagte gespielt herausfordernd: "Auge oder Nase?" / " Satan, die Ratten!" / " Prima, prima, Oberprima." / "taktisch fehlen" ... damit waren für uns privat günstige Schulstundenversäumnisse gemeint, z.B. am Wochenende zugunsten der Heimreise. / "rein theopraktisch gesehen ..." / "Na, Jung? ... Wat moukt die Kunst?" (möglicher Zusatz:) "Brotlos wie immer?" / "P.P. - Persönliches Pech!" ... Die erweiterte Form: "P.P.P. - Peinliches persönliches Pech!" / "Fällt aus wegen is' nich'." /

Hans war immer ein recht selbstloser Teiler aller in seinem Besitz befindlichen Dinge (, was ich von mir übrigens nicht unbedingt behaupten kann). Sein Satz dazu: "Wo's für Einen reicht, reicht's auch für Zwei."

Hans hatte die Eigenschaft, daß er, wenn man zusammen mit ihm des Weges schritt und er auf die jeweilige Konversation konzentriert war, denjenigen zu seiner Rechten unbewußt seitlich abdrängte. Eines Tages, als wir in der Kirchstraße unterwegs waren und Marc infolge dieses Phänomens zum Gehsteigrand abgedrängt wurde, stieg dieser die Situation überzeichnend über den dort vorhandenen Zaun, um demonstrativ Platz zu haben . - Diese Konversationsvertieftheit Hansens unter teilweiser Ausblendung gewisser Sinneswahrnehmung nutzte einmal Marc, als wir Drei vom "Fraß" kamen: Während ich wie immer und üblich vom Süderdünenring zum Pfad zum Internat links abbog und mich wunderte, ging Marc, der sich gerade mit Hans unterhielt, absichtlich mit diesem weiter ein Stück die Straße geradeaus, ohne daß Hans diese Heimwegabweichung auffiel und mit Marc weiterlief. ... Derartige Situationen kommentierte Marc im voraus gerne mit den Worten "Achte drauf!"  

Es kam desöfteren vor, daß Hans nach dem Mittagessen bei Göbel seine Schultasche dort vergaß und dann nach Gewahrwerdung des Sachverhalts mitunter vom Zimmer aus wieder zurückstiefeln mußte, um sie zu holen. 

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Mark Oliver Pokérn

aka: "Monk" (temporär, 1984/85), "Pokie" (nur von Udo) ... Es gab auch temporär von Hans' Seite die Auslegung zum "Lolliver".

Zitate & Sprüche: "Mein Udo ist schon lange tot." (Dieses Zitat aus Nina Hagens Lied "Der Spinner" bringt Oliver eines Tages mir gegenüber beim Mittagessen an, als ich ihn frage, wo denn Udo sei.) / "vor allen Dingen ..." / " Merkst Du eigentlich noch irgendetwas?"

Als des Tennisspielens Mächtiger konnte Oliver als Schulsportart Tennis bei Herrn Lehmann belegen. ... Anfänger wie ich waren nicht belegungsberechtigt, was ich damals ziemlich schade fand.    

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Andreas R.

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Wolfram R.

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Reza S.

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Hajo S.

Hajo war zusammen mit mir im Französischkurs bei Frau Heidekrüger. Hajo gab mit seinen immer recht freien Übersetzungen dem Unterricht eine überaus heitere Note. Ein Beispiel vom 04.05.'88: Textsituation: Ein Ehepaar fährt im Auto durch die Landschaft und plötzlich hat die Frau eine "hübsche Stelle" pour pique-niquer entdeckt. Sie sagt: "Arrête, Jean-Paul! Voilà un joli coin!". Hajos Übersetzung dazu lautet: Halt' an, Jean-Paul. Da ist eine "kleine Münze".   ... Klar, und das aus dem fahrenden Auto heraus!! ... Eine weitere lustige Situation 1988: Hajo soll eine Vokabel übersetzen, wobei der Gegenstand, der übersetzt werden soll, unmißverständlich darüber abgebildet ist. Als Hajo prompt richtig übersetzt, erhebt sich Friedhelm, der neben Hajo sitzt, von seinem Stuhl, verbeugt sich leicht und schüttelt Hajo demonstrativ anerkennend die Hand.

Zitate & Sprüche: (Rechtfertigung auf einen Störungsvorwurf des Lehrers / der Lehrerin (vermutlich-wahrscheinlich Frau Heidekrüger) hin:) "Wenn der in mein Heft guckt! ... Ich hab' überhaupt keins!" (gemeint war Friedhelm) (27.11.'87)

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Eibe S.

Eibe kam von der Insel Föhr und verließ uns nach Klasse 11. Charakteristisch für ihn war u.a. das Tragen von Holzschuhen. Er wohnte im Schuljahr 1984/85 in einem Zimmer des oberen Oberstufenflures (rechte Seite), das er sich nach Marc Widdels Ankunft Anfang September '84 (zunächst) mit diesem teilte. Eibe muß starker Raucher gewesen sein, was den guten Marc als Zimmergenossen gerade frühmorgens, wenn Marc noch im Bett lag, durchaus störte. Laut Marc hatte Eibe die Eigenheit, quasi den ganzen (Freizeit-)Tag in seinem Zimmer im Sessel zu sitzen und zu rauchen, wobei er alles für ihn Notwendige jederzeit in Griffweite hatte, ohne dabei aufstehen zu müssen: neben den Raucherutensilien das Radio, seinen kleinen Fernseher etc..

Hans berichtete, daß auf der Zeugniskonferenz zum Abschluß der elften Klasse Herr Döpkens gefragt wurde, welche Note Eibe in diesem Fach denn zu bekommen habe, und sich Herr Döpkens daraufhin überrascht erkundigte, ob dieser denn überhaupt bei ihm Unterricht gehabt habe. ... 

Hans und ich entwickelten hin und wieder die Phantasie, uns Eibe auf seinem (imaginären) Krabbenkutter vor Föhr vorzustellen.

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Johannes S.

aka: "Joe"

Joe erfuhr ich als netten, immer irgendwie zerstreuten Kerl (u.a. irrte er sich desöfteren in den Klassenräumen). Irgendwann erlangte er anhand eines Buches das sog. "kosmische Bewußtsein", demnach alle Menschen als 'leuchtende Eier im Weltraum' anzusehen seien. Als - wie ich erfuhr - Spätzle ihm sein "kosmisches Bewußtsein" dann eines Tages klaute, wurde Joe ihm gegenüber richtig handgreiflich, was auch zu gewissen Zimmerverwüstungen führte.

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Malte S.

aka: "Maltesius" (seine eigene Bezeichnung)

Malte war ein Langeooger Internatsunikat.

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Marc Widdel

aka: "(The) Widdel"

Zitate & Sprüche: "Das weißt Du auch." (Mit diesem Satz beschloß Marc seinen von der Ansicht des Gesprächspartners abweichenden Standpunkt.) / Wenn Marc eine aus seiner Sicht essentielle / folgeereignisrelevante Aussage machte, fügte er dieser gerne mal ein demonstrativ-lapidares "Ich sag's Dir nur ganz kurz." hinzu. / Auf die Frage: "Was ist los?" entgegnete Marc ob der Abgedroschenheit des Spruchs gerne selbigen: "Alles, was nicht angebunden ist." / "Ham wa gelacht? " (wenn irgendeine vordergründig amüsant oder spaßig scheinende Situation keinen entsprechenden Effekt auf Marc hatte) / "Achte drauf!" sagte Marc gerne, um zu demonstrieren, daß ein von ihm angekündigtes oder prophezeites Ereignis sich kurz darauf auch genau so abspielen würde. / " Wenn Du verstehst, was ich meine."

Eine sehr häufige Vokabel von Marc war "egal" bzw. "scheißegal", mit der er die vordergründige Relevanz diverser Dinge relativierte. - In Marcs Verhaltensweisen und Aussprüchen klang immer ein gewisser Nihilismus an, den man teils ironisch, teils ernsthaft wahrnahm. Marc machte alles mit und war sich für nichts zu schade, hatte aber auch eine sehr feinfühlige Seite und nahm sich Dinge zu Herzen, die manch andere in ihrer Scheuklappenmentalität übersahen.

Weitere typische Vokabeln in Marcs Sprachgebrauch: "vorherragend", "Lungenbrot" (Zigarette), "Sparwitz" und "Blutrausch". Marc befand sich immer dann kurz vor letzterem, wenn er sich zuvor übermäßig intensiv mit irgendetwas beschäftigt hatte.

Marc kam Anfang September 1984, also ca. zwei Wochen nach Beginn der Klasse 11, ins Internat und wohnte zunächst oben bei Eibe S.. Er war in seiner Anfangszeit Zielscheibe einiger böser Späße, welche maßgeblich von mir und Malte angezettelt und von Volker und anderen mitgetragen wurden. Daß solcherlei 'Jokes' Neuen gegenüber immer gemein und ungerechtfertigt sind, ist evident. ... Immerhin hatte ich das dann schnell erkannt, und Marc wurde neben Hans zu meinem treuesten Wegbegleiter der kommenden drei Schuljahre. Er war sozusagen unser dritter Zimmergenosse.

Der Titel des ersten Textes unseres ersten Englischbuches 1984 lautete: "From the cradle to the Olympics". Wir machten daraus in mehr oder weniger aus der Luft gegriffenem Bezug zu Marc: "From the Widdel to the Olympics". ... Irgendwie paßte es!!

Wenn Marc auch 1990 spurlos verschwand, so bleibt er doch immer Teil unserer Gegenwart und grüßt uns jedesmal, wenn 'sein' Lied aus Langeooger Tagen, "The house of the rising sun" (The Animals), irgendwo zu hören ist. 

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Alexander W.

aka: "Alex"

Zitate & Sprüche: "Ich bin halt blöd, und?!" / 'Samma, bin ich blöd oder was?!'

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Udo Z.

Zitate und Sprüche: "Willst Du hinaus, mußt Du hindurch."  - Im Jahre 1986 hatte Oliver in seinem Zimmer 46 das Buch "Dianetik" von L. Ron Hubbard zu stehen, welches ihm mal irgendwo aufgeschwatzt worden war. Viele Sätze darin waren so verquast formuliert, daß wir zu unserem Amusement desöfteren Textzeilen daraus zitierten und gewisse Begriffe temporär in unseren Wortschatz aufnahmen. Udo seinerseits machte sich aus dem Buch den angeführten Satz zu eigen. / "Kannst Du schweigen? ... Ich auch!" (Gerade, wenn man Udo auf sein anvisiertes Projekt, den Atlantik zu überqueren, ansprach, tat er oft sehr geheimnisvoll und sagte dann gerne diesen Satz.)  / 'Blas Dir mal die Termiten aus'm Schädel!'   

Udo bereicherte unsere Klasse 11 seit (spätestens) Anfang Juni 1985 und wohnte in den ersten Tagen in einem Zimmer des "Hanse"-Flures (Mittelstufe). Später wohnte er u.a. mit Oliver zusammen in Zimmer 46, auch mal mit Carsten S. ganz hinten links in Nr. 50. Nebenher arbeitete Udo in der Reithalle Voss als - ich sage mal - 'Stallbursche' und duftete oft auch entsprechend, wenn er von dort zurück ins Internat kam.

Udo war schon ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswerter Typ, mit Eigenschaften, von denen alle Waffenbrüder der Internatszeit wissen, was gemeint sein mag; er war im allerbesten Sinne halt unbeschreiblich und sagte selbst hin und wieder von sich: 'Es gibt solche und solche. ... Ich gehöre zu den anderen.

Irgendwann stand bei Udo das Vorhaben an, in einem kleinen, speziell für ihn konstruierten Boot den Atlantik zu überqueren. Marc war von der Idee begeistert und wollte mitfahren. ... Immerhin war das Ganze schließlich schon so weit gediehen, daß Udo gewisse Werften mit Konstruktionsaufträgen betraute. Er wollte von den Kanarischen Inseln aus aufbrechen, um schließlich drüben in Mittelamerika anzulanden. Genaueres erfuhr man natürlich nach seinem "Kannst Du schweigen? - Ich auch."-Prinzip nicht. Als vorbereitende Lektüre lieh Udo sich mal mein Buch "Allein über den Ozean" (Hannes Lindemann) aus.  

Typisch Udo: Er lacht über eine Bemerkung, zieht dann kurz drauf mit einer Hand die Mundwinkel wieder nach unten und erscheint überaus ernst.

Wenn Hans und ich auch ziemlich wetter- und insbesondere kälteunerschrocken waren ... Udo war noch eine Spur unempfindlicher: Als wir eines Tages bei beißender Kälte am Rande unserer Wetterunbildentoleranz gen Anleger spazieren, kommt uns Udo entgegen, mit freien, hochroten Ohren unter einer leichten Mütze und scheinbar völlig unbeeindruckt von den herrschenden Wetterbedingungen.  

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Erzieher

Herr Eser

aka: "Die Leiche" (nur intern bei Lächler und mir).

Herrn Eser bekam ich erstmals ca. Februar 1988 bewußt zu Gesicht, als dieser an Frau Noltus' freiem Tag vertretungsweise die Aufsicht (incl. Nachtruhe-Kontrollgang) in der Oberstufe innehatte. Daß er einst - Anfang der 1980er Jahre - einmal Internatsleiter gewesen war, erfuhr ich erst viele Jahre später.

Er hatte abgesehen von seiner relativen Wortkargheit die Eigenschaft, sich auf seinen Runden über den Flur nahezu lautlos fortzubewegen, ... zu schleichen würde ich sagen, wenn ich wüßte, ob das Absicht war. Zusammen mit seiner recht steifen Haltung machte er auf Lächler und mich so den Eindruck einer 'wandelnden Leiche', woraus sich unser Spitzname für ihn ergab. Charakteristisch war auch seine Art des Anklopfens: Ein einziges, dafür kräftiges Mal.

Verewigt ist er in meinen Videoaufzeichnungen.

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Herr Dr. Lamperstorfer

aka: "Lampe", auch "Der Major" (engl. Aussprache). Alternativ gab es auch die Bezeichnung "Ari"; Marc 'titelte' einmal dazu: "Mit Ari auf Safari."

Zitate & Sprüche:

Dr. Lamperstorfer, Reserveoffizier der Bundeswehr und Afrikakenner, war von Januar 1985 bis Juli 1986 Erzieher, Animateur, Energielieferant und Vertrauensperson im unteren Flur des Oberstufentrakts ... Er brachte neuen Schwung in die etwas erlahmte Internatsdynamik, hielt uns mit seiner "Hauspost" immer am Puls der Zeit, half uns, die im Schulunterricht selbstverständlich häufiger unterforderten Gehirnzellen durch Schachturniere ausreichend unter Strom zu legen und war auch sonst sehr um seine Schützlinge bemüht. Sein konsequent geführtes Regiment konnte natürlich nicht allen gefallen, und so ich erinnere mich in dem Zusammenhang an den einen oder anderen lauten Disput (Stichwort: 'Du kannst die Koffer packen!!') ... Ich persönlich fand seinen Abschied zum Ende des Schuljahres 1985/86 doch recht schade.

Seine Gruppenbesprechungen im "Meeting" waren immer recht energiegeladen; einmal beschloß er eine solche Besprechung mit einem demonstrativen Faustschlag auf seine Tischfläche, wodurch die auf ihr stehende Kerzenflasche einen kleinen Luftsprung machte und (wohl auch) umkippte.

Daß ich im Fach "Latein für Fortgeschrittene" dringend förderungsbedürftig war, hatte Herr Lamperstorfer schnell erfahren, und so gab er mir und Elvis, dessen Lateinfähigkeiten den meinen in etwa vergleichbar waren, in seinem Zweizimmer-Büro (Zi. 37) Nachhilfe-Einheiten. In dem Zusammenhang hatte er auch die kurzzeitige Angewohnheit, wenn er unser Zimmer betrat, direkt und offensiv "Qui, quae, quod!!" in den Raum zu schmettern, um - halb ernst, halb mit einem Augenzwinkern - mein Bereitschaftspotential in Sachen Deklinationen zu prüfen.

Lampe wohnte zusammen mit seiner Frau im Haus "Sonnenschein", in dem u.a. auch Herr Block, einige der jugoslawischen Küchenangestellten und bis März '85 auch Larry residierten. Manchmal, wenn man - ins Dorf gehend oder dorther kommend - den Weg zwischen Internatshof und Friesenstraße entlangschritt, sah man ihn geg. vom Haus auf dem Gelände an den Hagebuttenbüschen an einem Tisch sitzen und gegen sich selbst Schach spielen.

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Frau Noltus

Zitate & Sprüche: "Das darf ja [bzw. doch] wohl nicht wahr sein!"